De Cliärrwer Kanton 1981-1
René Maertz

Trotz Fortschritt – noch immer Rückschritt?

Ebenso wie der Stillstand in einer Entwicklung einem Nachhinken gleichkommt, kann lokal begrenzter Fortschritt trotzdem Rückschritt bedeuten.

Das Verhindern mehr punktueller Erosionen mindert wohl vorderhand die Ausblutung unserer Region. Auf lange Sicht aber vermögen Einzelaktionen, die auf Festschreibung weniger, wenn auch wichtiger Teile des öslinger Besitzstandes, abzielen, das allgemeine Aussterben unserer Gegend kaum zu verhindern.

Um den Menschen aus dieser Gegend Lebensniveau und -mut zu erhalten, müßte ein Gesamtkonzept entwickelt und unbeirrbar vorwärtsgetrieben werden. Ein Gesamtplan, dessen erstes Ziel darin bestünde, das bisher im Ösling erreichte zu konsolidieren. Das wäre eine Minimalforderung, die zweifellos ergänzungsbedürftig wäre. Die Regierungsmitglieder beim Rundtischgespräch vom 4ten Juli 1980 in Ulflingen haben diese Ansicht unterstützt.

Wir sind keineswegs der Meinung, von den Verantwortlichen würde nichts unternommen oder die Bevölkerung wäre sich ihrer auf mittlere Sicht äußerst prekären Lage noch immer nicht bewußt. Im Gegenteil, die Bewußtseinsbildung bezüglich ihrer Lage wird immer deutlicher. Darüberhinaus haben die Gemeindeautoritäten des Nordkantons gemeinsam einige Initiativen entwickelt, die als wirklich notwendig angesehen werden müssen und auch wohl, soweit dies im Augenblick zu beurteilen ist, zum Erfolg geführt haben.

Im Namen des Vorstandes des « Cliärrwer Kantons », im Namen unserer Mitglieder und – aller Wahrscheinlichkeit nach – im Einverständnis mit der immensen Majorität der Einwohner des Kantons Clerf möchte ich den respektiven Gemeindeautoritäten Dank und Anerkennung ausdrücken für ihre Bemühungen hinsichtlich des Baues des kantonalen Altersheims, der Intervention für die Erhaltung der CFL-Nordstrecke sowie der verdeutlichenden Unterredung mit einem Regierungsmitglied betreffs Erhaltung des kantonalen Katasterbüros.

Sowohl die Erkenntnis der Notwendigkeit einer engen und einmütigen Zusammenarbeit wie auch der kollektive Wille, für die Region lebensnotwendige Unternehmen fest in Angriff zu nehmen, werden durch diese Schritte seitens der Verantwortlichen auf kommunaler Ebene sichtbar gemacht und teilweise konkretisiert.

Unsere Gemeindevertreter haben damit eine Hoffnung geweckt, sie haben – vielleicht – den Mut zum Wagnis neu belebt.

Sie ermöglichen, Ihr Herren Gemeindevertreter, vielen Menschen aus dieser Region das Wagnis zur Hoffnung.

Von Ihnen, in erster Linie, die Sie die lokal- und regionalpolitische Verantwortung tragen, von uns allen aber auch wird es abhängen, ob und wieweit die jüngeren Generationen den Mut und den Stolz aufbringen werden, in dieser Gegend Wurzel zu schlagen. Trotz mancherlei Unsicherheiten und Handicaps. Ein günstiges psychologisches Klima ist nämlich eine wesentliche Voraussetzung für die Wiederbelebung der Region.

Dieser Tage wurde seitens der Gemeindeautoritäten des Nordkantons die Gründung eines interkommunalen « Comité d’action » im Prinzip beschlossen. Ein ausgezeichneter Gedanke! Es soll, auf politischem Niveau, vornehmlich die wirtschaftliche Wiederbelebung unserer Gegend fördern. Ein wesentliches weil lebensnotwendiges Instrument ist damit geschaffen. So begrüßenswert diese überfällige Neuerung auch sein mag, Voraussetzung für ihren Erfolg wird sein, mutig eine mit riesigen Hypotheken belastete Sache anzupacken, einen Fächer von Möglichkeiten präzise zu durchdenken, Prioritäten aufzustellen und der Möglichkeit ihrer Realisierung unablässig nachzugehen.

In diesem Sinne könnte – noch eben fünf Minuten vor zwölf – in unserer Region trotz nicht unwichtiger, punktueller Fortschritte der grundlegende, unheimlich regelmäßige Niedergang zum Stillstand gebracht werden.

Mit viel Optimismus betrachtet könnte aus dieser Initiative ein gewisser Aufschwung resultieren. Und Pessimismus in dieser Sache kommt einer Selbstaufgabe gleich.

Im übrigen sollte man nicht vergessen, daß Arbeitsplätze auch Arbeitskräfte anziehen. Wäre dem nicht so, wäre im Ösling noch nie ein Betrieb entstanden.

Somit ist den Kommunal- und Regionalpolitikern viel Mut, Schaffensfreude, Erfolg und der Dank der Bevölkerung zu wünschen.