De Cliärrwer Kanton 1984-2
Jean Jaans

Notizen zu unserer Generalversammlung

Einleitend ist zu notieren, daß die Versammlung in Hosingen nicht wie in den Statuten vorgesehen im ersten Quartal stattfinden konnte, zum Teil wetterbedingt wie auch aus organisatorischen Gründen. Zweitens ist festzuhalten, daß eine Generalversammlung mit knapp zwei Dutzend Anwesenden nicht nur mäßig besucht ist, sondern einfachin nicht mehr als repräsentativ gelten kann. Im Vorstand haben wir uns fest vorgenommen, hier Remedur zu schaffen. Viel ist schon erreicht, wenn die Osternummer unserer Zeitschrift eine Einladung an gut sichtbarer Stelle veröffentlicht.

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Der Hosinger Bürgermeister Michel Scharfenberger betonte in seiner Ansprache, die Vereinigung arbeite im Interesse der kulturellen und allgemeinen Förderung des Kantons. Unsere Zeitschrift werde in allen Landesteilen geschätzt und dank des unermüdlichen Einsatzes der Vereinsleiter habe Staatsminister Pierre Werner, verantwortlich für die Landesgestaltung, eine Studie im Kanton Clerf anfertigen lassen, aus der hervorgehe, daß Förderungsmaßnahmen dringend notwendig seien.

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A propos Pierre Werner wollen wir festhalten, daß unsere Vereinigung dem früheren Regierungschef zu Dank verpflichtet ist für seine Unterstützung, insbesondere auch in moralischer Hinsicht. Pierre Werner war und bleibt menschlich stark mit dem Ösling verbunden, wir können nur hoffen, daß sein Nachfolger zusammen mit seinen Ministerkollegen ähnlich ausgeprägtes Verständnis für die Probleme an der Nordspitze zeigen werden, und zwar durchaus auch in konkreter Hinsicht. Mit Genugtuung haben wir in der Regierungserklärung zur Kenntnis genommen, daß man sich um eine bessere Berücksichtigung regional bestimmter Anliegen bemühen wolle. Der Kanton Clerf wird hier doch wohl nicht ausgeklammert, dafür werden auch die zwei jungen Abgeordneten sorgen, die am 17. Juni im Kanton Clerf ins Parlament gewählt wurden!

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Bürgermeister Scharfenberger gab in Hosingen seinem Wunsch Ausdruck, das neue von den acht Gemeinden des Kantons getragene « Syndicat intercommunal à vocations multiples » möge sich als nützliches Instrument zur Verwirklichung diesbezüglicher Initiativen erweisen.

Diesen Wunsch kann man nur beherzigen, denn vor allem in solidarischer Zusammenarbeit können die Kommunalvertreter bei der « Zentralgewalt » Gehör finden. Der Wasserpreis möge hier als Beispiel gelten – nach langen Vorstudien und Untersuchungen ist die Entscheidung nicht länger aufzuschieben. Es ist nicht die Rolle unseres Vereins, hier als Wasserträger aufzutreten, aber die von der Bevölkerung mandatierten Kommunalpolitiker dürften Gehör finden, wenn sie gemeinsam fordern und handeln.

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Präsident René Maertz erklärte « De Cliärrwer Kanton » werde sich auch in Zukunft unter Wahrung parteipolitischer Neutralität für die Verwirklichung von neuen Ideen zum Wohl des Kantons einsetzen, selbst wenn die konkrete Phase viel Zeit und Geduld erfordere. Nachdem die drei großen Parteien im Wahlkampf Bereitschaft und Entschlossenheit gezeigt hätten, die Probleme des Kantons in der neuen Legislatur zu lösen, gehe es nun darum, Prioritäten zu bestimmen und in diesem Sinne stelle die Schaffung neuer Industrien eine wesentliche Aufgabe dar.

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Ähnliche Gedanken mit schärferen Akzenten entwickelte EG-Experte und Publizist Adrien Ries zum Thema « D’Éisléck muss séch wieren »: Die aktuelle Wirtschaftskrise sei unbedingt zum Anlaß zu nehmen, die Weichen regional-politischer Planung anders zu stellen; seiner Ansicht nach verfolgt die Regierung eine total falsche Politik, wenn sie ausschließlich in Zentrum und Süden des Landes neue Industrien ansiedelt, die Probleme des Kantons Clerf können nicht durch gelegentliche Geschenke wie Schaffung eines Altersheimes oder Modernisierung der Nordstrecke gelöst werden. Adrien Ries empfiehlt die Schaffung einer gemischten Entwicklungs-Gesellschaft unter Beteiligung von interessierten Gemeinden, Privatunternehmern, nationaler Investitions-Gesellschaft und Banken. Industriezonen entlang der Nordstrecke müssen erschlossen werden, Autobahn-Anschlüsse bei St. Vith und Houffalize sind anzustreben, auch US-Militärlager könnten im Norden geschaffen werden.

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Was hier mit guten Argumenten und temperamentvoll gefordert wurde, entspricht nur elementarer « Gerechtigkeit » gegenüber einer Region, deren Einwohner weite Arbeitswege seit jeher auch ohne besondere Mobilitätsprämien als normal und zumutbar betrachteten. Wir wünschen keinerlei Sonderbehandlung für die Nordspitze, nur etwas mehr konkretes Interesse für die wirtschaftlich-demographische Situation. Der Präsident des neugeschaffenen interkommunalen SyndikatesMichel Wehrhausen formulierte das so: « Man sichere uns die gleichen Lebensbedingungen wie in anderen Landesgegenden. Die Infrastruktur muß weiter verbessert werden, alle öffentlichen und privaten Initiativen müssen durch Gemeinden und Staat unterstützt und einer solidarisch erarbeiteten Lösung entgegengeführt werden. »

Bei dem Stichwort « Lösung » ist nicht an unserer Finanzlage vorbeizukommen. Im Jahre 1983 hatte die Kasse 651.847 Franken für die Veröffentlichung von drei Nummern unserer Zeitschrift zu tragen, gegenüber 521.980 F im Jahre 1982. Die Lage ist nicht dramatisch, aber ziemlich gespannt, und nachdem Mitglieder und Gemeinden seit längerer Zeit viel Verständnis gezeigt haben, erhoffen wir auch vom großen Bruder Staat etwas mehr Entgegenkommen, insbesondere im Zusammenhang mit der in vielen Beziehungen für das ganze Land kulturell wertvollen Bio-Bibliographie von Professor Jos. Goedert. In anderen Worten: wir werden dem « neuen » Kulturminister unsere Aufwartung machen und nicht nur eine leise Anfrage versuchen…