De Cliärrwer Kanton 1988-2
Jean Jaans

Notizen zu unserer Generalversammlung

Im Rittersaal im Clerfer Schloß konnte Präsident Léon Braconnier zahlreiche Mitglieder und Freunde unserer Vereinigung begrüßen, u.a. auch Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder aus dem Kanton, Staatssekretär René Steichen sowie die Abgeordneten Charles Goerens, Marie-Josée Jacobs, Ed. Juncker, Lucien Weiler und Georges Wohlfart.

Der Dank des Präsidenten gilt allen Autoren unserer Zeitschrift, die nunmehr im zehnten Jahr erscheint; geplant ist eine Erweiterung der kulturellen Aktivitäten durch Film- und Dia-Abende. Die traditionellen Weihnachtsausstellungen finden jeweils den verdienten Erfolg; die Vereins-Bibliothek wird ausgebaut; im Herbst soll eine Besichtigung interessanter Kirchen im Kanton veranstaltet werden.

« De Cliärrwer Kanton » ist heute ein Begriff für das Bemühen, die wirtschaftlichen Probleme an der Nordspitze nach Möglichkeit zu lösen. Léon Braconnier erinnerte in diesem Zusammenhang an zwei Regierungsstudien, dankte für die Entscheidung, die CFL-Nordstrecke zu elektrifizieren und betonte die Dringlichkeit einer zeitgemäßen Straßenverbindung zwischen Ettelbrück und der Hauptstadt, die eine fundamentale Verbesserung der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Struktur des Landes sichern würde. Es sei erfreulich, daß eine parlamentarische Mehrheit sich für die Schaffung eines amerikanischen Militärlagers im Norden des Landes ausgesprochen habe.

Lethargie und Pessimismus dürfen unsere Bemühungen nicht in Frage stellen; der Präsident dankt sodann der Clerfer Gemeindeverwaltung für beachtliche materielle Hilfe, auch den Norddeputierten gebührt für ihren unermüdlichen Einsatz im Interesse des Kantons Clerf Anerkennung; die Bevölkerung verdient keineswegs das Schicksal, das auf sie zukommt, falls keine konkreten Maßnahmen im Rahmen eines Gesamtplanes erfolgen.

Sekretär Robert Schmit erstattete sodann einen ausführlichen Tätigkeitsbericht. Im Laufe des Jahres tagte der Vorstand viermal; um eine bessere Arbeitsweise zu erreichen, wurden Arbeitsgruppen mit spezifischen Aufgabenbereichen gebildet (Bibliothek, sozio-ökonomische Tätigkeit, Veranstaltungen, Geschichts- und Dialektforschung). Die Gemälde-Ausstellung des belgischen Künstlers André Paquet zu Beginn des Jahres 1987 konnte einen beachtlichen Publikumserfolg erzielen mit 800 Besuchern. Im Monat Februar erschien die Clerfer Bio-Bibliographie von Professor Jos. Goedert; eine Werbeaktion, um die Mitgliederzahl zu erhöhen, verlief erfolgreich, gegenwärtig hat « De Cliärrwer Kanton » über 1500 Mitglieder. Der Verein war an einem internationalen Treffen von Geschichtsfreunden vertreten; zum sachgemässen Unterbringen unserer wertvollen Bibliothek wurden im Berichtsjahr besondere Metallschränke erworben. Die Bibliothek soll keinen « musealen » Charakter haben, sondern allen Interessenten zur Verfügung stehen. Bei Gelegenheit einer Unterredung mit Staatsminister Jacques Santer wurden die aktuellen Probleme des Nordkantons eingehend erörtert. Die Weihnachtsausstellung zur Jahreswende brachte mit den Werken von Will Faber, Germaine Hoffmann und Victor Kratzenberg ebenfalls einen beachtlichen Publikumserfolg.

Aus dem Kassenbericht von Aly Bertemes ging hervor, daß die Finanzlage des Vereines zwar angespannt, aber nicht alarmierend ist. Die Veröffentlichung von jährlich drei Nummern bedingt die Hauptausgabe, für welche die Mitgliederbeiträge nicht kostendeckend sind, denn ein Heft kostet 443 Franken und die Kosten für Druck und Versand können nur durch Subsidien von Staat und Nordgemeinden gedeckt werden. Die Vereinsleitung verzichtete dieses Jahr gleichwohl auf ein Anheben des Jahresbeitrages; der Generalversammlung wurde vorgeschlagen, den Beitrag für die einzelnen Mitglieder bei 400 F zu belassen. Aus den Gutachten der Kassenrevisoren Jean-Paul Meyer und Paul Zeimes ging hervor, daß die Konten genau und richtig geführt wurden; die Versammlung gewährte dem Kassierer Entlastung.

Nach Abschluß der eigentlichen Jahresversammlung erhielt Armand Simon, Generalsekretär des Wirtschaftsministeriums, das Wort zu einem tiefschürfenden Referat über die Problematik des großen europäischen Binnenmarktes ab 1992 und die möglichen Folgen für die Grenzregionen. Der Redner analysierte einleitend die vielfältigen vertraglichen Voraussetzungen und behandelte sodann die Auswirkungen für die Luxemburger Wirtschaft im allgemeinen und die Grenzgegenden im besonderen. Das Vorhaben, einen gemeinsamen Markt auf der Grundlage freien Wettbewerbs zu schaffen, stellt gewaltige Probleme im monetär-finanziellen Bereich, bedingt Maßnahmen im Sozialen, bringt Aufgaben im wissenschaftlich-technologischen Gebiet und erfordert auch bei Bildung und Berufsausbildung neue Initiativen. Der gemeinsame Markt ab 1992 stellt alle Luxemburger vor gewaltige Herausforderungen, zugleich können aber auch neue Chancen wahrgenommen werden. Der interessante und gut dokumentierte Vortrag auf wissenschaftlicher Basis wurde mit großem Beifall bedacht.

Aloyse Nosbusch, neuer Bürgermeister von Clerf, sprach das Schlußwort. Er dankte allen Kollegen im Vorstand für ihre Mitarbeit; der seit 1979 bestehende Verein hat viel zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Belange der Nordspitze beigetragen. Die Gründung des interkommunalen Syndikates zur Förderung des Kantons Clerf geht auf die unermüdliche Arbeit der Vereinigung zurück. Im Clerfer Raum sind gegenwärtig zwei Industriezonen mit einem Ausbau von 3,5 ha in Clerf und von 4 1/2 ha in Ulflingen vorgesehen; die Clerfer Zone bedingt Ausgaben in Höhe von 15 Mio. F, die vom Staat zu 85% .getragen werden. Es sei erstrebenswert, eher die Niederlassung von Mittel- und Familienbetrieben anzustreben, meinte der Bürgermeister, der ebenfalls die Notwendigkeit eines Gesamtkonzeptes zur Förderung der wirtschaftlichen Tätigkeiten an der Nordspitze empfahl.