De Cliärrwer Kanton 1991-1
Léon Braconnier

De Kanton Cliärref, e schéint Stéck Lëtzebuerg

Diesmal wird sie Wirklichkeit, unsere Idee einer großen Ausstellung über den Kanton Clerf. Mehrmals haben wir den Termin verschieben müssen, mehrmals starteten wir zu einem neuen Anlauf. Und immer wieder waren alle Mitarbeiter bereit, es noch einmal mit uns zu versuchen.

Doch kann man dem Aufschub auch positive Aspekte abgewinnen. Mit der Zeit ist unser Projekt reifer geworden, hat Format erhalten und ohne Zweifel an Aussagekraft gewonnen.

Im Namen des ganzen Vorstandes möchte Unterzeichneter ein MERCI aussprechen, einen Dank und Anerkennung allen Mitarbeitern im Organisationskomitee, allen Teilnehmern, allen Helfern.

Allein, ohne größere finanzielle Hilfe seitens des Staates, der Gemeinden, einiger Finanzinstitute und privaten Gönnern wäre trotz höchster Motivation das Unterfangen zum Scheitern verurteilt gewesen. Auch hiervon ganzem Herzen MERCI.

Ein besonderer Dank geht an die Feuerwehren des Kantons, welche sich bereit erklärt haben, während der ganzen Dauer der Ausstellung rund um die Uhr eine Wache zu stellen.

DE KANTON CLIÄRREF, E SCHEINT STECK LETZEBUERG: eine selbstbewußte Darstellung einer Gegend, welche auch im kommenden Jahrtausend ein schönes Stück Luxemburg bleiben möchte.

Ohne Zweifel wird unsere Ausstellung « das » kulturelle und gesellschaftspolitische Ereignis des Jahres 1991 in unserer Gegend werden. An alle unsere Leser ergeht schon jetzt eine herzliche Einladung. Niemand wird seinen Besuch bereuen.

Die Verantwortlichen unserer Vereinigung arbeiten seit geraumer Zeit an diesem Projekt. Durch die Ausstellung soll unser Kanton ins nationale Rampenlicht gerückt werden, unser Kanton mit seinem nicht zu unterschätzenden Potential, aber auch mit den Problemen, welche (immer noch?) einer Lösung harren.

Über 30 verschiedene Themen aus den Bereichen Geschichte, Religion, Natur, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur werden dem Besucher angeboten. Unschätzbare Kostbarkeiten, seltene Manuskripte, unveröffentlichte Photos und Dokumente, eigens für die Ausstellung aufgestellte Statistiken und Zahlenmaterial.

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Dieses Jahr wird unser Ehrenpräsident René Maertz 70. An anderer Stelle dieser Ausgabe, Rene, wirst Du aus der Feder von Leopold Hoffmann einiges dazu lesen können. Denn was Du für diese Gegend geleistet hast, kann niemals ausreichend gewürdigt werden. Eine wahre Pionierarbeit hast Du auf gesellschaftlichem Plan geleistet, viele Projekte wären ohne Dein hartnäckiges Engagement nie Wirklichkeit geworden. Nennen wir nur die Clerfer Gemeinschaftsantenne, das Foyer E’slecker Heem. Aber auch auf kultureller Ebene hast Du Akzente gesetzt, in den 50er Jahren hätte Clerf durch den gewaltigen Erfolg Deines Klöppelkrich-Schauspiels Festspielstadt werden können. Und auf den Erfolg, auf den der Maler Rene Maertz gestoßen ist, soll hier nicht eingegangen werden.

Dein Weg, René, ist kein unauffälliger. Auch und besonders unsere Vereinigung ist Dein Werk. Im Cliärrwer Kanton hast Du wie kein zweiter die Zukunftsprobleme dieser Gegend genannt, auf magistrale Weise zu formulieren gewußt. Du hast den Stein ins Rollen gebracht. Du hast die ganze Evolution, wie vieles andere auch, vorausgesehen, immer wieder gemahnt. Du hast aufhorchen lassen. Denn Deine Worte, manchmal ungefiltert, waren stets Ausdruck Deiner Sorge um eine Gegend, welche Dir so ans Herz gewachsen ist, daß man sie in allem wiederfindet, was Dein Leben ausmacht: Deine Malerei, Deine Photographie, Deine Worte. Immer wieder hast Du dich gegen die scheinbare Resignation, gegen die alles lähmende Lethargie vieler einheimischer Kräfte zur Wehr gesetzt.

Fast prophetenhaft erscheinen heute viele Deiner Aussagen. Von der Wichtigkeit eines Gesamtkonzeptes hast Du geredet, von dem vitalen Bedürfnis, eine Nordstraße zu bauen, Teufelskreise zu durchbrechen, Infrastrukturen zu schaffen, Ungleichgewichte abzubauen, So wirst Du wohl kaum mit dem Erreichten zufrieden sein, denn in der Tat ist es heute recht still um den Kanton Clerf geworden. Doch wir wollen mit unserer Ausstellung diese Stille durchbrechen. Du hast einmal geschrieben, daß der Aufbau einer Zukunft für den Kanton Clerf ein langes Unterfangen darstellt. Vielleicht wird « De Kanton Cliärref, e schéint Stéck Letzebuerg » ein Baustein für diese Zukunft sein.

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Vorstandsmitglied Francis Breyer hat keine Mühe und Zeit gescheut, sämtliche Kinder des Kantons von 4 bis 14 Jahre einzeln zu photographieren. So sind wir während der Ausstellung in der glücklichen Lage, auch die Zukunft unseres Kantons zeigen zu können: unsere Kinder. Um die 1200 Kinderphotos werden in der Mitte unserer Ausstellung zu bewundern sein. Aber leider kommen wir an einer Frage nicht vorbei. Und dies ist eben die Kernfrage um die sich so vieles dreht, was « De Cliärrwer Kanton » in all den Jahren bewegt hat: Wieviele dieser Kinder werden in 10, in 15 Jahren noch Einwohner des Kantons Clerf sein?