De Cliärrwer Kanton 1992-2
Jean Jaans

Notizen zu unserer Generalversammlung

Die traditionelle Generalversammlung unserer Vereinigung fand am 24. April 1992 im gediegenen Ulflinger Kulturzentrum statt. Präsident Léon Braconnier konnte zahlreiche Mitglieder und Freunde begrüßen; unter den Ehrengästen bemerkten wir die Anwesenheit von Minister René Steichen, Staatssekretär Georges Wohlfart, der Abgeordneten Charles Goerens, Emile Kalmes, Camille Weiler und Lucien Weiler sowie zahlreicher Bürgermeister und Schöffen von Gemeinden aus dem Kanton Clerf.

Präsident Braconnier dankte dem Ulflinger Bürgermeister Lucien Majerus herzlich für den gastlichen Empfang und gab einen gründlichen Bericht zu den zahlreichen Aktivitäten und Problemen der Vereinigung « De Cliärrwer Kanton » im vergangenen Jahr.

Die große Ausstellung « De Cliärrwer Kanton – e schéint Stéck Lëtzebuerg » kannte vom 26. Juni bis zum 28. Juli 1991 einen großen Erfolg. 30 Vereinigungen mit 400 freiwilligen Helfern aus dem Kanton Clerf nahmen an den umfangreichen Vorbereitungen teil, 10.000 Besucher und 2.500 Schulkinder ließen sich über die kulturellen, geschichtlichen und menschlichen Aspekte an der Nordspitze informieren, unter ihnen auch Erbgroßherzog Henri. Der beigeordnete Kulturminister René Steichen gewährte eine bedeutende finanzielle Hilfe, aber leider blieben Ende April 1992 noch bedeutende Ausgaben zu decken für eine Ausstellung, in deren Rahmen nicht weniger als 20 kulturell bedeutsame Veranstaltungen stattfanden.

In diesem Zusammenhang

können wir an die Generalversammlung vom 24. April dieses Jahres die äußerst positive Meldung anhängen, daß das Ausstellungs-Defizit in nahezu Millionenhöhe im Monat Juli ausgeglichen wurde, und zwar indem Kulturminister Jacques Santer und sein beigeordneter Kulturminister René Steichen noch einmal 500.000 Franken übernahmen, während das « Syndicat pour la Promotion du Canton de Clervaux » den Restschuldbetrag in annähernd gleicher Höhe abdeckte. Den erwähnten Ministern gebührt Dank für ihr Entgegenkommen, aber dem Bürgermeister von Heinerscheid Jean Lentz und dem Syndikatspräsidenten Aloyse Nosbusch und seinen Kollegen sind wir für Initiative und Hilfe gleichermaßen zu Dank verpflichtet!

Kommen wir nun zurück zu den Ausführungen von Präsident Braconnier in Ulflingen:

Manche Anzeichen beweisen seiner Meinung nach, daß die lange Periode von Stagnation und Resignation im Kanton Clerf überwindbar sein könnte: Die Industriezonen kennen erste Erfolge, die Bevölkerung stabilisiert sich und es wird vor allem in vielen Ortschaften wieder gebaut, womit ein Zeichen für Vitalität und Zukunftsglaube der jungen Generation gesetzt wird.

Damit war auch das Thema « Nordstross » berührt, das gerade im Frühling 1992 besonders aktuell war. Die Vereinigung « De Cliärrwer Kanton » sei mit allen vernünftigen Landeseinwohnern der Meinung, daß diese Straße gebaut werden müsse, meinte der Präsident, und zwar aus dem eminent normalen Bestreben heraus, eine (einzige) zeitgemäße Verbindung zwischen dem Norden und den Wirtschafts- und Entscheidungszentren der Hauptstadt zu gewährleisten. Weshalb sollten ausgerechnet die Öslinger keine « normale » Verbindung zum Findeler Flughafen sowie zu den kulturellen, wirtschaftlichen und sportlichen Infrastrukturen im Landeszentrum haben? Bautenminister Robert Goebbels gebühre nach Ansicht des Redners für seine unerschrockene und konsequente Haltung jedenfalls Lob und Anerkennung. Wer für die Nordstraße eintrete, sei deshalb noch lange nicht bauwütig, naturfeindlich und betonsüchtig. « De Cliärrwer Kanton » habe

kein politisches Mandat,

nähre keinerlei persönlichen Ehrgeiz und sei auch nicht gegen einen zielstrebigen Ausbau des öffentlichen Transportes. Wer aber den Individualverkehr fanatisch und beharrlich verdamme, solle sich doch einmal die Frage steilen, wie rasch und bequem ein Einwohner aus Kalborn mit öffentlichen Transportmitteln zu einer Scanneruntersuchung im hauptstädtischen « Centre hospitalier » anreisen soll.

Die gediegene Vereinszeitschrift ist und bleibt Herzstück der kulturellen Aktivität unserer Vereinigung. Mit großer Genugtuung konnte Präsident Braconnier feststellen, daß das Kulturministerium nunmehr eine jährliche Unterstützung von 250.000 F gewährt, mit deren Hilfe die Mitarbeiter und Photographen eine bescheidene Entschädigung für ihre oft mühevolle Arbeit erhalten können. Die Vereinigung wird auch in Zukunft Konzerte, Ausstellungen, Vorträge und Dichterlesungen veranstalten. Leider war das Berichtsjahr überschattet vom Tode des großen Gönners und Freundes Tony Bourg sowie von Sekretärin Maria Neuens. Die Vereinigung richtet an alle Interessenten einen warmen Aufruf, bei den breitgefächerten Aktivitäten interessierter und intensiver mitzuarbeiten – Generationenwechsel steht ins Haus!

Aus dem Kassenbericht von Aly Bertemes, der von den Revisoren und der Versammlung gutgeheißen wurde, ging hervor, daß die staatlichen Instanzen und die Nordgemeinden bedeutende Finanzhilfe leisten, was jedoch nicht verhindert, daß die Druck- und Versandkosten unserer Zeitschrift pro Nummer 280.000 Franken beanspruchen.

Im Anschluß an die Versammlung hielt Jean Ensch vom hauptstädtischen « Bureau de la population » einen gutdokumentierten und mit zahlreichen Dia-Aufnahmen vorzüglich illustrierten Vortrag zur Luxemburger Auswanderung nach Amerika im vergangenen Jahrhundert, dies unter besonderer Berücksichtigung der (durch äußerste Armut bedingten) Auswanderung aus dem Ösling nach der Neuen Welt. Die interessant und harmonisch verlaufene diesjährige Generalversammlung wurde mit einem von der Ulflinger Gemeindeverwaltung angebotenen Ehrenwein abgeschlossen.