De Cliärrwer Kanton 2004-S
Léon Braconnier

Auf Spurensuche durch 25 Jahre Cliärrwer Kanton

Als vor 25 Jahren die Vereinigung De Cliärrwer Kanton das Licht der Welt erblickte, da war es vielleicht jenes trübe Herbstlicht, das geheimnisvolle, fast graue Licht, das die Ardennen im Nebel ertrinken lässt. Vielleicht war es auch das gleißende Sommerlicht, das aus jedem Klatschmohn eine kleine feuerrote Sonne zaubert und das jeden Schmetterling in eine glücksbringende Fee verzaubert.

Oder war es das runde Schlusslicht des Zuges, der von Ulflingen nach Gouvy weiterfuhr, jenes tiefrote Licht, das, immer kleiner werdend, ein letztes Mal die Pendler grüßte?

Mag sein, es war das zarte, flackernde Licht der vielen Kerzen, die die Besucher tagtäglich im Halbdunkel der Clerfer Abteikirche in Clerf anzünden, jenes Flüstern von Licht, das im Grunde sehr gut zum alten Gregorianischen Gesang passt, der viele mal am Tage zum Himmel steigt und der seinerseits fast mehr Stille als Musik ist.

Später war es mit Sicherheit das kalte, summende Licht der Neonröhren, welches die Vorstandssitzungen des Cliärrwer Kanton erhellte und die Sorgenfalten der Gründungsmitglieder. Denn damals lag ein unheimlicher Schatten über der ganzen Region. Viele lange Jahre brauchte es, um endlich am Horizont das ersehnte Leuchten der Hoffnung zu erblicken.

Die Spurensuche nach dem Cliärrwer Kanton verspricht eine lange Reise zu werden. Denn über keine vergleichbare Gegend ist so vieles gedruckt worden. 7164 großformatige Seiten, 2093 Artikel. Viel Fleiß ist dafür notwendig gewesen, viele tausend Stunden Arbeit, und vor allem viel von dem, was man Liebe nennt. So soll diese Nummer auch dankbare Anerkennung sein an all jene, welche in den 25 Jahren die vielen Cliärrwer-Kanton-Seiten geschrieben haben. Stellvertretend für alle eine besondere Hommage an Jos. Goedert, der Außerordentliches geleistet hat. Nur der Kanton Clerf besitzt ein Inventar über alles, was in der Vergangenheit publiziert wurde (Bio-Bibliographie du Canton de Clervaux).

Danke Lex Jacoby und Henri Keup: unsere Zeitschrift war bei Euch stets in guten Händen.

Bei unserem 7000-seitigen Streifzug begegnen wir Geschichte und Geschichten, Kurioses, Wissenswertes, Ernstes und Heiteres. Wir lernen den Mauersegler kennen, der seine schnellen Runden dreht, wir hören das Rasseln der Panzerketten im Winter 1944/45, begegnen den Clerfer Herrschaften und erfahren die Wahrheit über den Diebstahl in der Helzer Klaus. Wir entdecken die Kunstschätze der Abtei, erfahren wie der Aufbau nach dem Krieg über die Bühne ging, erinnern uns mit Ergriffenheit an Dr. Ray Thillen. Regionalschulen wurden errichtet, die Nordstrasse geplant, die Eisenbahn elektrifiziert. Und Edward Steichens Family of Man fand im Clerfer Schloss eine definitive und würdige Bleibe. Man erinnert uns an die Arbeiten eines Raymond Waringo, und an das bemerkenswerte musikalische Talent eines Dom Benoît. Wir entdecken die Pracht der Schlosskapelle in Weiler, aber dann horchen wir gebannt: sind das nicht die bereits erwähnten gregorianischen Gesänge in der Benediktinerabtei, die von Ruhe und Frieden erzählen?

Von Frieden auf Erden kann allerdings in den letzten 25 Jahren keine Rede sein. Terror, Angst und Schrecken beherrschen die Nachrichten. Der weltweite Terrorismus, Frucht ungelöster Probleme, gehört zum Alltag. Die israelischen und palästinensischen Falken sorgen dafür, dass Gevatter Tod nicht zur Ruhe kommt. Auch Afrika kennt keine Ruhe, immer wieder betreten „Rebellen » die Szene, eine blutige Spur nach sich ziehend. Derweil das Verhältnis zwischen Amerika und Europa ins Stottern geraten ist, wurde die Landkarte des alten Kontinents so bunt wie ein Puzzle. Feste Größen sind ins Wanken geraten, unser Nachbar im Osten, einst eine Lokomotive Europas, eiert schon etliche Jahre Jahre im Kreis herum.

Luxemburg indes scheint in einem gewissen Sinn dem Sturm zu trotzen. Wie lange noch?

In den letzten 25 Jahren hat sich das Ösling gewandelt. Auch bei uns herrschen jetzt die Modern Times. Vom Computer über das Handy bis hin zur Cité, zur Résidence im Dorf und zur tiefgefrorenen Pizza, die man zusammen mit einem bunten Blumenstrauß an jeder Tankstelle erstehen kann.

Insgesamt geht es dem Ösling besser als noch vor 10-15 Jahre. Dennoch: sehr vieles bleibt zu tun. Wachsamkeit ist vonnöten, damit es weiter in Richtung gleichwertige Lebensbedingungen geht. Unverständlich zum Beispiel, wieso der Bau eines Lyzeums im Kanton Clerf nicht schon längst beschlossene Sache ist.

Aber jetzt wollen wir aufbrechen zu einer spannenden Reise, eine Wanderung durch 25 Jahre Cliärrwer Kanton. Am Ende wird, so glauben wir, der Leser zufrieden sein. Das Viertel Jahrhundert Cliärrwer Kanton kann sich sehen lassen.