De Cliärrwer Kanton 2006-2
Jean Jaans

Notizen zu unserer Generalversammlung

Es stimmt zwar, dass Generalversammlungen vor allem dann interessant sind, wenn es um weit gespannte Interessen von Aktionären und um Abwehr feindlicher « Übernahmen » geht, aber etwas mehr aktives Interesse könnten Vereinsmitglieder doch für unermüdliche Vorstandsarbeit und Probleme und Zukunft ihrer Vereinigung zeigen. Gut vorbereitete Tätigkeitsberichte und Finanzüberblicke fallen irgendwie doch ins Leere, wenn die jährliche « Assemblée générale » vor kaum zwei Dutzend Mitgliedern « abgewickelt » wird…
Bei diesem und ähnlichem Wehklagen über ziemlich allgemein verbreiteten Absentismus im Vereinsleben wollen wir das Verhalten echter und vermeintlicher « Notabilitäten » ausklammern, denn Ehrengäste tragen mit ihrer bloßen Präsenz und/oder eher unverbindlicher Sympathie-Bekundung eher minimal zum Gedeihen der Vereinsgeschichte bei. Ihre hehre Gegenwart bewegt sich ohnehin weitgehend wellenförmig in dem Sinne, dass sie in Vorwahlzeiten regeste Anwesenheit zeigen und sich im ruhigen Fahrwasser der Nachwahlzeit bis zur Unsichtbarkeit « verdünnisieren »…
Sei’s drum, aber eine Tatsache möchten wir in diesen lockeren Notizen festnageln: 2006 hatten wir erneut eine « gute » Generalversammlung mit interessanten und kritisch konstruktiven Berichten und Interventionen, die zur Schlussfolgerung berechtigen, dass « De Cliärrwer Kanton » seine selbstgestellten Zielsetzungen und Initiativen im kulturellen und im soziokulturellen Bereich unbeirrt und unverdrossen weiter verfolgt!

Zuverlässig pünktlich eröffnete Präsident Léon Braconnier die DK-Generalversammlung 2006 im Clerfer Kulturzentrum und nannte gleich bei seinen herzlichen Begrüßungsworten einen weiteren Grund für fehlenden Publikumserfolg: Wenn mehrere Veranstaltungen am selben Abend stattfinden, – wie Ehrung des früheren Bürgermeisters Francis Stephany und Orgelkonzert in der Dekanatskirche – schrumpfen die jeweiligen Teilnehmerzahlen notwendigerweise. Diese betrübliche Tatsache hinderte den Redner jedoch nicht « dem Stephanys Franz » aufrichtig zu danken für jahrelange gute Zusammenarbeit, häufige Präsenz bei Veranstaltungen mannigfacher Art und freundlichen Kontakt, selbstverständlich verbunden mit allerherzlichsten Wünschen für eine gute Zukunft.
Vor einigen Monaten hielt Präsident Braconnier in einem Service-Club im Landeszentrum einen Vortrag über Zielsetzung und Arbeit von « De Cliärrwer Kanton ». Zwanzig Minuten Redezeit waren erwünscht – es wurden 28 Minuten über einen Kanton, zu dem wir alle eine besondere Beziehung haben, eine Region, die den Redner seit Kindheitsjahren fasziniert,
Die Vorbereitung von 28 Minuten Redezeit erfordert allerdings viele Stunden. Es gibt zahlreiche Informations-quellen, aber ohne Übertreibung und Dünkel muss man feststellen, dass unsere Zeitschrift eine ungeheuer reiche Dokumentation bietet. Was hier im Laufe der Zeit zusammengetragen wurde, ist in allen Beziehungen wertvoll und ohne jeden Zweifel kann man behaupten, dass « De Cliärrwer Kanton » zugleich Kollektivgedächtnis und Wortführer unserer Region ist. Auf der Grundlage unserer Zeitschrift gelingt der Versuch, in 28 Minuten ein vielschichtiges Bild zu skizzieren in dem der Kanton im Licht der Vergangenheit und unserer Tage erscheint, wobei die Zukunftsperspektiven selbstverständlich nicht fehlen durften.
Die Mitglieder des Serviceclub waren aufmerksame Zuhörer, doch unserem Vorsitzenden stellten sich irgendwie seltsame Gefühle ein und auch einige Fragen: Welche Zukunft erwartet uns im Allgemeinen im Kanton? Es hat sich allmählich herumgesprochen, dass die so genannt guten Zeiten zu Ende sind. In unseren Nachbarländern kriselt es. Deutschland scheint auf der Stelle zu treten, und in Frankreich flammten im Monat März erneut Revolten auf. Die deutschen Nachbarn streiten und streiken über die Frage, ob es sinnvoll sein soll,

eine halbe Stunde pro Woche

länger zu arbeiten. In Belgien sorgt der Streit zwischen den großen Gemeinschaften immer wieder für Sprengstoff. Während längerer Zeit schien es Luxemburg würde von großen Problemen verschont, so als wäre das Großherzogtum eine Insel. Nunmehr kennen wir die unangenehme Wahrheit.
Der Redner zitiert die Zeitung « Tageblatt » vom 6. April 2006, und zwar aus dem Leitartikel von Alex Fohl: « Luxemburg blickt schweren Zeiten entgegen. Sorgen bereitet insbesondere der Arbeitsmarkt. An dieser Front muss das Land zur Zeit erhebliche Einschnitte wegstecken, die sich bislang nicht einmal in der Arbeitslosenstatistik widerspiegeln. Das bevorstehende Stellenstreichungsprogramm lässt sich dabei wie ein beschäftigungspolitisches Horrorszenarium an: TDK (-347), WSA (-221), Luxair (-200), Brasserie de Luxembourg (-13) – auch Goodyear hat ein Kostensparprogramm vorgelegt, das Werksschließungen und Stellenabbau vorsieht…  »
Das sind schmerzhafte Beispiele, die ganz drastisch zeigen, dass die Bäume auch in Luxemburg keineswegs in den Himmel wachsen. Auch das Arcelor-Seilziehen zeigt überdeutlich, dass wir uns in einem weltweiten Vorgang befinden, der vor unseren Grenzen nicht Halt macht.
Die Schlussfolgerung ist erlaubt, dass unser Land mit einer Situation konfrontiert ist, in der andere Länder sich bereits seit längerer Zeit befinden. Jetzt können wir nicht mehr selbstherrlich und « belehrend » auftreten, denn wir haben eine Menge vor der eigenen Tür zu kehren. Fehler werden wahrscheinlich überall begangen – wer könnt schon so kühn sein, zu behaupten, in Luxemburg machten Politik, Patronat, Management und Gewerkschaften alles goldrichtig? Sieben Mal am Tag stößt sich der Gerechte, heißt es in der Bibel; der Ungerechte trägt ohne Zweifel mehr blaue Flecken davon. Wenn wir alle immer nur « von den andern » Lösungen für Schwierigkeiten erwarten, kann es keine Brücke in die Zukunft geben. Wenn jeder nur auf seine erworbenen Rechte pocht – die berühmten « droits acquis » könnte der Fall eintreten, dass er darauf sitzen bleibt. Während langer Zeit waren wir der trügerischen Auffassung, für Investitionen so etwas wie ein Paradies zu sein. Sind wir das wirklich noch?
Auf der breiten Weltbühne spielt Luxemburg – wenn überhaupt – nur

eine ganz kleine Nebenrolle.

In den Medien wurde uns während Jahrzehnten eine Welt vorgegaukelt unter dem Motto « zu Lëtzebuerg dach nët ». Es wurde immer verniedlicht, beschwichtigt. Wir waren nun einmal die Allerbesten. Aber jetzt fehlen uns « Beste » – in der Finanzwelt geht die Zahl der Banken zurück, und diese Evolution erfolgt nicht immer ganz freiwillig. Aber dass wir im kulturellen Bereich an wichtiger Stelle fast nur mehr Ausländer in verantwortlicher Stellung sehen, das haben wir aus freien Stücken veranlasst. Nun kann es aber zutreffen, dass wir in Luxemburg in manchen Sektoren Mangel an Qualifizierten zu beklagen haben, aber die Entwicklung ist einige Überlegungen wert.
Wir leben in einer buntfarbig belebten Welt. Es macht wenig Sinn, nach Schuldigen für Versäumnisse zu suchen. Tatsache aber bleibt, dass wir weiter Ausgaben planen und Geld bereit stellen, als wären wir auf alle Ewigkeit mit Manna gesegnet. Ob der Bau dieser oder jener Infrastruktur Selbsttore bedeutete, will der Redner nicht beurteilen. Trotzdem wird er den Eindruck nicht los, als sei in verschiedenen Bereichen mächtig übertrieben worden. Für uns « hei uewen » reduziert sich die ganze Problematik auf eine klare Feststellung: Als Geld en masse vorhanden war, blieb es schwierig, Kredite für das Ösling loszueisen – wie ist die Lage nun, wo die Zeiten schwierig geworden sind?
Welche Erwartungen hat das Ösling? Léon Braconnier erinnert sich immer wieder an Worte und Fragen von René Maertz rundum einen Plan, ein Gesamtkonzept. Auch 2006 ist davon nicht die geringste Spur zu entdecken. Von den sechs Regionen, in welche unser Land neuerdings ja eingeteilt ist, gehören wir zu der kleinsten und schwächsten. Doch in der Vergangenheit wurden

regelmäßig große Ankündigungen

trompetet. Wir wissen haargenau, dass die Wirklichkeit leider ganz anders war. So wurde beispielsweise die Inbetriebnahme der Nordstrooss immer wieder vertagt.
Sicher gab es eine Reihe positiver Veränderungen und Neuerungen: Der Bau eines regionalen Kulturhauses in Marnach ist eine Initiative mit großem Potential. Computer- und Sprachkurse werden angeboten, die Musikschule leistet ausgezeichnete Arbeit, unsere Bibliothek Tony Bourg ist nicht wegzudenken. Auch die Ausstellung « Family of Man » wurde aufgewertet. Endlich sind die versprochenen Audioführer verfügbar und geben den Besuchern notwendige Erläuterungen. Der Naturpark Our ist ebenfalls eine Hoffnung für die Region, vorausgesetzt, Wert und Bedeutung werden von der Bevölkerung anerkannt und gewürdigt. Und das gelingt, wenn Beispielsweise Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn also ein wirtschaftlicher Impakt zu erkennen ist. Es kann nicht sein, dass der Naturpark gleichgestellt wird mit dem Zählen von Schmetterlingen; auch die teuren Veröffentlichungen mit schönen und schönsten Aufnahmen genügen nicht. Das wahrscheinlich wichtigste Kriterium mit entscheidender Bedeutung liegt in der Antwort auf die Frage, ob die Menschen etwas Konkretes davon haben.
Allgemein betrachtet scheint vieles im Argen zu liegen, denn eine Reihe von Einwohnern im Kanton haben den Wunsch ausgedrückt « De Cliärrwer Kanton » solle sich wieder öfters zu Wort melden. Es gibt zahlreiche Probleme. Eine Frage lautet, wie es mit dem Lyzeum im Kanton Clerf weitergeht. Eine Antwort liegt auf dem Tisch. Im vergangenen Jahr konnten wir nach der Generalversammlung mit einer gewissen Hoffnung auseinander gehen, denn tatsächlich sah es aus, als hätte das Lyzeums-Projekt Aussicht, einmal Wirklichkeit zu werden. Heute wissen wir: « Aus dem Lycée gët näischt! »

Stille herrscht im Saal,

als Präsident Braconnier auszugsweise einen Brief vorliest, den Erziehungsministerin Delvaux-Stehres an die Lehrer Christian Arend und Fernand Tremut geschrieben hat. Die zwei in Weiswampach tätigen Pädagogen hatten gefragt, ob das Lyzeum im Kanton Clerf nicht eine Art « Neie Lycée » mit spezifischer Aufgabe werden könnte. Eine Diskussion hat nicht stattgefunden, weil Madame Delvaux-Steres antwortete und mit Klartext diente: « Vous faites allusion à un nouveau lycée dans la région de Clervaux. Or, il n’est pas prévu pour le moment de construire un tel lycée ; je ne puis donc vous proposer de collaborer à un projet dans votre région.  »
Der Redner kommentierte, diese ministerielle Aussage biete einen Vorteil im Vergleich zu den Gesprächen der letzten fünf Jahre: Sie ist klar und verständlich.
In der letzten Nummer unserer Zeitschrift kam unsere Enttäuschung bereits zum Ausdruck, indem Vorstandsmitglied Jean Jaans den « famosen » (durchaus auch im Sinne von « berüchtigten ») « Plan directeur Lycées » genau analysierte.
Zitat aus dem vorerwähnten Dokument:
« L’implantation d’un lycée dans le vide scolaire relatif de l’extrême nord est probablement à écarter pour cette décennie du fait du double désavantage de sa faiblesse démographico-scolaire en termes absolus et de son empiètement sur l’aire de recrutement du Lycée du Nord . »
Befreit von schwulstischer Expertensprache bedeutet diese Feststellung, dass bis 2010 zunächst einmal rein nichts erfolgt. Aber dann geschieht etwas: « Da kucke mer mol! » Die Taktik immerwährenden Hinausschiebens ist in Luxemburg ganz beliebt. Fast so beliebt wie das Schaffen eines Studienausschusses in Form einer « Kommission ». Die Politik des « mal sehen » ist freilich viel flexibeler, denn man kann ja auf vielerlei Art « kucken ». So kann man Beispielsweise zum Fenster hinausschauen, um zu sehen ob die Sonne scheint oder ob es regnet. Oder man kann genau beobachten, wie die Wolken vorbei ziehen und die Zeit vergeht. « emol kucken » ist eine Gummifloskel, mit welcher man zum Ausdruck bringt, dass gegenwärtig keine Entscheidung getroffen wird, aber dass man vielleicht einmal auf das Problem zurückkommt, um dann irgendetwas zu unternehmen. Jedenfalls drückt man mit « emol kucken » aus, dass der Fall gar keiner dringlichen Lösung bedarf. « emol kucken » ist gemütlich, es ist « zen », fast schon ein Stück Mittelmeer. In diesem konkreten Zusammenhang also ein Stück mediterraner Lebensqualität im Ösling…
Aber weshalb wurde das Lyzeumsprojekt im Kanton denn nun auf die bekannten « Calendes grecques » verwiesen? Fehlt es an potentiellen Schülern? Der Redner lässt Tatsachen und Zahlen sprechen:
Es besteht keinerlei Problem ungenügender Auslastung, denn die demographische Lage ist eindeutig, insbesondere auch unter dem Aspekt, dass ein Lyzeum vernünftig – moderner Prägung nicht an allen Ecken und Enden über Raummangel klagen muss und auf Containerkultur verwiesen wird. Wird schon wieder geleugnet, dass kleine Schuleinheiten gewaltige Vorteile bieten im Vergleich zu « Anstalten », in welchen persönlicher Kontakt und enge Zusammenarbeit zwischen Erziehern aller Art in Anonymität ersticken?
Die eindeutigen Zahlen von 2001 wurden durch die Weiterentwicklung bis 2005 bestätigt. Nach dem dramatischen Rückgang zu Beginn der achtziger Jahre, in welchen die Bevölkerung im Kanton Clerf auf das Niveau von 1830 zurückgegangen war, setzte zwischen 1995 und 2001 eine positive Entwicklung ein, die sich gegenwärtig mit leichter Tendenz nach oben stabilisiert. Im vergangenen Jahr wurde die Grenze von 13000 Einwohnern überschritten.
Im Zusammenhang mit der Lyzeums-Frage gibt es eine Reihe von Aussagen und Stellungnahmen:
Wie ist es möglich, dass

die Schaffung eines Lyzeums

während Jahren in Aussicht gestellt wurde und dann vom Tisch ist, ohne dass nennenswerte Proteste von Interessenten zu hören sind? Wo bleibt das Aufbegehren unserer Region gegen eine derart anmaßende Politik? In den vergangenen Jahren wurden in verschiedenen Gemeinden feierliche Entschließungen zum Bau eines Lyzeums gestimmt. Und wo bleibt der Protest der 60 Parlamentarier von 2001, von denen viele noch in der Kammer Sitz und Stimme haben, die einstimmig eine entsprechende Motion annahmen? Hat jemand vehemente Reaktionen von Elternvereinigungen und von Erziehern aus der Region beobachtet?
Und wie ist es möglich, dass keine Schlussfolgerungen gezogen werden angesichts unhaltbarer Zustände im Ettelbrücker Lycée Technique und in zahlreichen anderen Container-Lyzeen?
Das Lyzeum in Wiltz ist mit Sicherheit eher früh als spät zu klein und weise Politik hätte ein Zeichen von Weitsicht gesetzt mit dem Planen eines Lyzeums im Kanton Clerf.

Vor fünf Jahren wurde wie bereits erwähnt im Parlament eine Motion gestimmt, die ein Lyzeum in unserem Kanton fordert. 2006 wird das Vorhaben auf Eis gelegt – ein Lyzeum an der Nordspitze wird nicht gebraucht. Hier muss man die Frage stellen, ob 60 Volksvertreter sich denn derart flagrant irren konnten.

Unserer Vereinigung sind einige Personen aus dem Erziehungsbereich bekannt, die offiziell für ein Lyzeum im Kanton Clerf eintreten, zwar ohne große Begeisterung, und die in bestimmten Kreisen eine ganz andere Meinung vertreten oder sich sogar lustig machen über das Vorhaben. In Indianer-Romanen hieß es früher « Er redete mit gespaltener Zunge ». Wir wissen genau, dass hinter den Kulissen vehement gegen ein Lyzeum im Kanton intrigiert wurde. Unsere Vereinigung ist von der Entwicklung in diesem äußerst wichtigen Bereich enttäuscht – einmal mehr enttäuscht.

In seinem wie üblich äußerst höflichen, aber zugleich auch ironisch-kritischen Plädoyer zitiert der Präsident einen Leitartikel der Tageszeitung « Wort » vom 21. März, in dem Fern Morbach manche Wahrheiten offen formulierte: « In Luxemburg ist in den vergangenen Jahrzehnten vielen potentiellen Entscheidungsträgern offensichtlich die Lust am Entscheiden vergangen.

Obwohl Politiker in erster Linie

gewählt werden, um Entscheidungen zu treffen und das Land voranzubringen, werden parallel zu den Verkehrsstaus auch die Entscheidungsstaus immer länger. Schnelle und präzise Entscheidungen sind nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme: klare Meinungen werden im Debattensumpf tot geredet. »

Kommentar überflüssig!

Nach eher unangenehmen und regelrecht deprimierenden Feststellungen wechselt Léon Braconnier über zu erfreulicheren Themen. Es soll berichtet werden über den Erfolg unserer Bibliothek Tony Bourg; Malou Wagner wird mit Einzelheiten dienen.
Unsere Zeitschrift erfordert keine besondere Beschreibung. Vor Ostern erschien die aktuellste Nummer in prächtiger Aufmachung. Wir sind recht stolz auf die Metamorphose der vergangenen Jahre. Infolge der ausgezeichneten Arbeit von Freund Henri Keup und des Layouts von Laurence Claude in der Imprimerie EXE geben wir eine Zeitschrift heraus, die in Inhalt und Druckqualität ihresgleichen im Lande sucht. Herrn Threis, dem Leiter der Imprimerie EXE, gilt unser herzlicher Dank, weil wir infolge seiner Großzügigkeit allen Abonnenten einen Kalender für 2006 übermitteln konnten. Unsere Dankbarkeit ist uneingeschränkt, ebenso unsere Anerkennung für die zuverlässige Arbeit von Henri Keup, der mit seiner Tätigkeit in anderen Ämtern große Verdienste am kulturellen Leben im Kanton hat.

Wir waren sehr betroffen durch den unerwarteten Tod unseres guten Freundes Carlo Hommel. Seit 1997 leitete er zusammen mit Pater Prudhomme die dreitägigen Stage-Kurse im Rahmen der « Journées Grégoriennes », immer mit Feingefühl und Erfolg. Mit Carlo Hommel hat unser Land einen vielseitig engagierten Zeitgenossen verloren und unsere Kulturlandschaft wurde ärmer. Wie kein zweiter Künstler setzte Carlo Hommel sich im Land für die Förderung des gregorianischen Gesangs ein. Wir werden ihn immer in bester Erinnerung behalten und wir haben beschlossen, seinem Andenken die « Journées 2006 » zu widmen.

Dank und Anerkennung auch für Pater Abt, Pater Prudhomme und Bruder Gabriel für ihre kompetente und unermüdliche Mitarbeit an unserer Veranstaltung, die dieses Jahr in zehnter Auflage stattfindet. Wir sind recht stolz auf unsere Initiative.

Es gehört zu den guten Gewohnheiten, bei Gelegenheit der Generalversammlung zu danken. Ohne Hilfe des Kulturministeriums und der Gemeinden im Kanton könnte unsere Vereinigung nicht überleben.

Die Gemeinde Ulflingen stellt uns geeignete Räumlichkeiten für unsere Bibliothek zur Verfügung, und zwar handelt es sich nicht nur um beheizte und beleuchtete Unterkunft, sondern um Räume mit ausgesprochen gemütlich-anheimelnden Arbeitsbedingungen. Die Gemeindeverwaltung Clerf ermöglicht unsere Versammlungen und den Ausbau unseres Archivs. Wir verspüren

überall im Kanton

Sympathie und Unterstützung.
Zum Schluss seiner Ausführungen richtete der Redner einen Aufruf an alle DCK-Mitglieder, sich auch weiterhin für die Interessen des Kantons einzusetzen. Wir sollten versuchen, so zu reden, dass die Stimme der Nordspitze mehr Gehör findet. Um in vielen Bereichen mehr Möglichkeiten ausschöpfen zu können, sollten die Gemeindefusionen weitergetrieben werden. Lernen wir deshalb besser zu diskutieren und unsere Meinung frank und frei zu vertreten. Jemand, der sich über einen Traktor beschwert, der auf der Dreibahnstraße nicht stehen bleibt, wenn 40 Fahrzeuge hinter ihm herzuckeln, ist deshalb noch keineswegs automatisch gegen die Landwirtschaft. Ärgert sich jemand über unpünktliche Züge oder über die Tatsache, dass tagtäglich hundert Autobusse ohne Fahrgäste unterwegs sind, ist er deshalb noch nicht gegen den öffentlichen Transport. Und stellt ein dritter Mitbürger die Frage, weshalb Jahr um Jahr auf Wanderwegen und den Straßen entlang « grouss Botz » gemacht werden muss, ist er deshalb nicht chronisch gegen den Fremdenverkehr. Und auch dann nicht, wenn ein ruhiger Mensch sich Tag für Tag gestört spürt durch die Lieferwagen der Provençale und anderer Unternehmen, welche Lebensqualität und Umwelt stark einschränken, übrigens landesweit. Das bedeutet nicht, dass Arbeitsplätze im Kanton unerwünscht wären, aber ist es undenkbar, einen « neuen Kanton » langfristig zu planen? Dazu gehört aber auch ein Lyzeum für unsere Kinder, wir dürfen es nicht als « normal » empfinden, dass sie auf ewige Zeiten nach Ettelbrück oder Wiltz fahren müssen. Es gilt aber auch, unserer Region jene Werte zu sichern, die sie als touristische Landschaft auszeichnen. Dazu gehört Ruhe in der Natur. Wie unser Ösling morgen aussieht, liegt zu einem wesentlichen Teil in unserer Hand. Leider bleiben viele Jahre nicht genutzt, um Einfluss auf die Zukunftsgestaltung auszuüben, und so wie die Zeiten jetzt sind, haben wir weniger Möglichkeiten. Und trotzdem dürfen wir nicht aufgeben, wir müssen immer wieder Ungleichgewichte zum Nachteil der Nordspitze anprangern: « De Kanton brauch eis all! »

Der Tätigkeitsbericht von Sekretärin Malou Wagner

war wie üblich lückenlos präzis:
Das Jahr 2005 begann mit unserer 25. Kunstausstellung zum Jahres-wechsel. Zwei Künstlerinnen hatten ihre Werke ausgestellt: André Schwabe (Gemälde) und Evelyne Neuman (Skulpturen). Aus mehreren Gründen war dies vorläufig die letzte DCK-Ausstellung zwischen den Jahren.
Am 21. April fand unsere Generalversammlung statt. In der anschließenden freien Aussprache ging es um die Schaffung eines Lyzeums im Kanton Clerf, ein Projekt, das uns seit längerer Zeit am Herzen liegt.
Im Monat Oktober wurde auch die neunte Auflage der « Journées du Chant Grégorien » ein voller Erfolg: Beginn am 5. Oktober mit einem Vortrag von Père Abbé Jorrot.
Drei Konzerte lockten ein breites Publikum an:
– 9. Oktober Schola Benedicta aus Prag
– 16. Oktober Schola der Clerfer Abtei
– 23. Oktober Ars Choralis Coeln aus Köln.
Die Journées sind und bleiben ein Glanzlicht im kulturellen Leben unserer Region.

Die Stageperiode vom 21. bis 23. Oktober war gut besucht. Das Interesse nimmt nicht ab und wir hoffen, dass das in Zukunft auch so bleibt.
Am 14. Oktober organisierten wir zusammen mit der Ulflinger Kulturkommission einen Leseabend in der Bibliothek Tony Bourg. Der bestbekannte Autor Marco Schank las aus seinen Werken.
Im vergangenen Jahr hielt der Vorstand fünf Vollversammlungen ab, während der Redaktionsausschuss vier Sitzungen für konstruktive Arbeit nutzte.
Veröffentlichungen sind das wesentliche Merkmal unserer Vereinigung: Drei « gewöhnliche » Nummern befassen sich mit aktuellen Fragen und mit der Geschichte unserer Region, während eine Spezialnummer pro Jahr jeweils ein besonderes Thema behandelt. 2005 lautete der Titel: « Jeter des ponts »; auf 90 Seiten einer lebendigen und farbigen Veröffentlichung fand der Leser interessante Artikel, Fotos und Skizzen zum vorgegebenen Thema « Brücken », so wie sie sich in die Landschaft einfügen.
Ein Dankeschön wurde unseren Mitgliedern und Lesern übermittelt in Form eines Kalenders für 2006, mit Bildern aus Zeitschriften vergangener Jahre und Bildzeilen – besinnlich und poetisch – von Lex Jacoby. Auf der Rückseite 12 Aufsätze, zwischen 1936 und 1939 vom damals « kleinen » Marcel Staar verfasst.
Unsere Bibliothek besteht seit dem Jahr 2000 und ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil im kulturellen Leben an der Nordspitze geworden. Wir bieten fleißigen Lesern über 10000 Bücher aus allen Sparten von Literatur und Unterhaltung an. Angebote aus dem Bicherbus, die alle paar Monate ausgewechselt werden, können durch uns vermittelt werden; auch Werke der Nationalbibliothek sind über die Bibliothek Tony Bourg zu bestellen. Bei der Leserschaft ist die Tendenz steigend, wir betreuen gegenwärtig 340 Abonnenten, hauptsächlich in Form von Familien-Mitgliedschaft. Im vergangenen Jahr wurden über 7000 Bücher ausgeliehen an Leser aus 15 Gemeinden.
Im Bereich der Bibliotheken gab es 2005 eine interessante Entwicklung auf regionalem Niveau. Auf Initiative des « Bureau Leader Clierf-Veianen » hatten sich bereits im Monat November 2004 Vertreter der bis dahin bestehenden öffentlichen Bibliotheken aus dem Norden (Eschdorf, Ulflingen und Vianden) mit dem Ziel einer engen Zusammenarbeit getroffen, wobei « Lesen im Norden » und ein gemeinsames kulturelles Programm ins Auge gefasst wurden. Die Gemeinde Ettelbrück plante ebenfalls die Schaffung einer öffentlichen Bibliothek und schloss sich dem Dreierbund an. Mithin gründeten vier Bibliotheken im Vorjahr eine Vereinigung ohne Gewinnzweck unter der Bezeichnung NORBI. Es bleibt zu hoffen, dass Einigkeit auch Bibliotheken stark macht und uns eine gute Ausgangsposition bei Verhandlungen mit dem zuständigen Ministerium, insbesondere bei Fragen finanzieller Tragweite gesichert bleibt.
Zum Arbeitsprogramm 2006 noch diese Notizen:
Am 12. Mai fand in Zusammenarbeit mit der Ulflinger Kulturkommission am Sitz unserer Bibliothek ein Leseabend für Kinder und Erwachsene mit den Autoren Mireille Weiten-de-Waha und Josy Braun statt.
Das Programm der zehnten « Journées du Chant Grégorien im Oktober sieht folgendes Programm vor:
– 11. Oktober: Vortrag von Père Abbé
– 15. Oktober: Ensemble Trécantum aus Straßburg
– 22. Oktober: Schola der Clerfer Abtei
– 29. Oktober: Frauenchor Exulta Sion aus Freiburg.
Die traditionelle Stagezeit ist vorgesehen vom 27. bis 29. Oktober.

Schatzmeister Adrien Wouters

ist im Beruf Bankexperte und im Privaten hochqualifizierter Computerfreak. Kein Wunder, dass seine Finanzberichte nicht nur peinlichst genau dokumentiert, sondern mit graphischen Darstellungen auch noch bestens illustriert sind. So geschehen auch am vergangenen 28. April:
Im vergangenen Jahr betrugen die Gesamteinnahmen unserer Vereinigung 67571,93 Euro bei Ausgaben in Höhe von 71258,48 Euro, so dass ein Rückgriff von 3686,55 Euro auf die Reservemittel erforderlich war. Die Aufschlüsselung der Ausgaben 2005 erfolgt nach folgenden Posten: Mitgliederbeiträge 36689,50 Euro; Subventionen (Staat und Gemeinden) 22250 Euro, Verkauf unserer Zeitschrift 856,70 Euro (bei Kosten von 48727,45 Euro), Bibliothek Tony Bourg 800 Euro an Einnahmen bei Ausgaben von 10815,92 Euro; « Journées du Chant Grégorien » mit Einnahmen von Veranstaltungen von 5247,30 Euro, bei Ausgaben von 9711,40 Euro. Verschiedene kleinere Ausgaben von 1728,38 Euro wurden mit 2003,71 Euro mit dem Vermerk « Divers » mehr als ausgeglichen.
Die Finanzunterlagen wurden von den Kassenrevisoren Marie-Paule Reuter und Francis Kler gewissenhaft geprüft und für richtig befunden, worauf sie der Generalversammlung Entlastung von Kassierer Adrien Wouters empfahlen; der Empfehlung wurde ohne Gegenstimme stattgegeben.
Im Zusammenhang mit den « Finanzen » bleibt zu erwähnen, dass die Rücklagen der Vereinigung mit 41310,64 Euro am 31. Dezember 2005 zwar ein gutes Polster darstellen, doch wurde der Jahresbeitrag auf Vorschlag des Vorstandes von im Vergleich zu ständig steigenden Druckkosten ungenügenden 25 Euro auf immer noch bescheidene 30 Euro angehoben, dies mit Wirkung ab 1. Januar 2007. Die « Abonnements de soutien » steigen ebenfalls um 5 Euro von 40 auf 45 Euro.
Die freie Aussprache stand ganz unter dem Zeichen des unwürdigen Hin und Her tonangebender Politiker zum Thema « E Lycée am Kanton Clierf ». Aber es gab auch Bedauern und Kritik zu offensichtlichem Desinteresse breiter Bevölkerungsteile im Kanton. Wenn junge Eltern sich auch in Zukunft zu einer für ihre Kinder äußerst wichtigen Frage passiv verhalten, werden Entscheidungsträger im Zentrum der Macht, die ohnehin nur an Probleme und Interesselagen südlich von Ettelbrück denken, weiterhin leichtes Spiel haben…
Mit einer letzten Notiz sei noch festgehalten, dass der Abgeordnete Jean-Pierre Koepp und mehrere Gemeindevertreter, nämlich Lucien Majerus und Raymond Thielen, Bürgermeister von Ulflingen und Heinerscheid, sowie Mathias Coenjaerts, Schöffe von der Gemeinde Munshausen und Michel Hefftrich, Gemeindevertreter von der Gemeinde Hosingen, mit Anwesenheit und Beteiligung an der freien Aussprache mehr als nur einfache Sympathie für die DCK-Anliegen bewiesen. Unsere Vereinigung wird auch weiterhin mit Energie und Beharrlichkeit auf Sorgen und Anliegen « am héige Norden » eingehen, selbst wenn das manchen überheblichen Etablierten nicht behagt…