De Cliärrwer Kanton 2002-1
Léon Braconnier

Mitarbeiter(innen) gesucht

De Cliärrwer Kanton asbl,

Veräin fir d’kulturellt Liäwwen

sucht zum baldigen Eintritt einige tüchtige

MITARBEITER(INNEN)

Gesucht werden dynamische und kreative Menschen, die bereit sind, etwas Energie und Freizeit zum sozialen und kulturellen Wohl des Nordöslings zu opfern, z.b.:

  • einen Beitrag zu unserer bestbekannten Zeitschrift zu leisten (Artikel, Illustration, Korrektur, Layout usw.)
  • bei kulturellen Veranstaltungen (Konzerte, Ausstellungen usw.) und Einrichtungen (Bibliothek Tony Bourg) mitanzupacken
  • die sozioökonomische Evolution der Nordspitze mitzuverfolgen

Gute Allgemeinbildung und freundliches Auftreten sind von Vorteil.

Wir bieten an: faire, kollegiale Zusammenarbeit
(keine Entschädigung, kein Lohn)

Eintritt sofort oder nach Übereinkunft.

Der geneigte Leser spürt es: die Annonce ist beileibe kein Scherz. Im Gegenteil. Dass die Aktivitäten unseres Vereins in der aktuellen Form 22 Jahre überdauert haben, wäre ohne bemerkenswertes Engagement vieler Mitarbeiter undenkbar!

Viele tausend Seiten Cliärrwer Kanton hätten ohne das vielbeschworene Benevolat die Druckerschwärze nie kennen gelernt…

Nun werden diese Zeilen geschrieben zu einem Zeitpunkt, da es hierzulande in vielen Vereinen kriselt. Demissionen von Präsidenten, Sekretären, Schatzmeistern und anderen Mitarbeitern sind an der Tagesordnung. So manche Vereine, von Nachwuchssorgen geplagt, von Finanzmisere bedroht, befinden sich in einer tristen Einbahnstrasse, dümpeln bis zum erlösenden Ende vor sich hin. Kein Wunder, dass da so mancher Mitarbeiter resigniert das Handtuch wirft. Zumal jahrelanger Einsatz am Ende nicht selten mit einem Fußtritt belohnt wird.

Nun sollen diese Zeilen beileibe nicht den Eindruck erwecken, dem Cliärrwer Kanton drohe das Ende. Aber ein bisschen Verstärkung, oder etwas mehr, wäre durchaus willkommen.

22 Jahre Herausgabe unserer Zeitschrift ruhten auf wenigen Schultern. Ohne größten Einsatz des verdienten Redakteurs Lex Jacoby und seines Nachfolgers Heng Keup wäre DCK kein Thema. Unser Autorenteam glänzt durch Kompetenz, liefert bereitwillig Hochwertiges seit der Gründung im Jahre 1979. Die Spezialnummern, echte Highlights, haben für Aufsehen gesorgt, sind teilweise vergriffen. Aber wird « De Cliärrwer Kanton“ gebührend gewürdigt? Wieso wird eine in Luxemburg doch einmalige Zeitschrift in der Presse so diskret behandelt?

Wie lange wird es noch möglich sein, die äußerst erfolgreiche und wertvolle Initiative « Journées du Chant Grégorien“ ohne professionelle Hilfe am Leben zu halten?

Auch bleibt die Frage offen, wie wichtig verschiedene Organisationen Staat und Kommunen eigentlich sind. Wird das Benevolat genügend anerkannt? Werden ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt?

Zu vielen sozialen und ökonomisch relevanten Themen war die Stimme aus dem hohen Norden in der Vergangenheit zu hören. Oft war unsere Stellungnahme willkommen. Doch auf der spannenden sozioökonomischen Spielwiese stehen in den nächsten Jahren weittragende Entscheidungen an. Das seltsame Schweigen, das verschiedene Dossiers an der Nordspitze umhüllt, ist durchaus bemerkenswert. Da brodelt die Gerüchteküche. Wie steht es um das geforderte Lyzeum im Kanton? Wie geht es mit der Eisenbahnnordstrecke weiter, der so starke Sicherheitsbedenken um die Ohren flogen? Welche Prioritäten hat man inzwischen im Straßenbau gesetzt? Wann wird es konkret mit der Anbindung der expandierenden Industriezone in Lentzweiler an die N7? Und in welchem Akt befinden sich die Akteure im spannenden Challenge um weitere Gemeindefusionen an der Nordspitze? Wann fließen öffentliche Investitionen vermehrt bis in die Nordspitze?

So manche Bürger fühlen sich von den Politikern spät informiert, zu oft vor vollendete Tatsachen gesetzt. Politische Kultur bedeutet aber nicht nur Information, sondern auch Gespräch und Diskussion. Dies gilt sowohl auf regionaler wie auf lokaler Ebene. Dass wir im Zeitalter der Kommunikation leben, scheint noch nicht zu allen Entscheidungsträgern vorgedrungen zu sein. Mag sein, dass verschiedene Vorhaben zu Beginn einige Diskretion verlangen, aber zu oft werden Projekte und Pläne bis zum Zeitpunkt der feierlichen Verkündung mit der Aura des Geheimnisvollen bekleidet und sorgsam gehütet. Schade.

Bekanntlich hat de Cliärrwer Kanton seit der Gründung des SICLER seine gesellschaftliche Rolle etwas zurückgestellt. Nur ab und zu haben wir in den vergangenen Jahren unsere Meinung öffentlich mitgeteilt. Und letztere fand jedes Mal Gehör. So im Dossier Nordstrasse, kürzlich bei der Fusion der Sicherheitskräfte und jetzt bei der Diskussion um die CFL-Nordstrecke.

Es freut ungemein, dass wir mutige und starke Freunde haben. Regierung und Gemeinden des Kantons gewähren die notwendige finanzielle Unterstützung. Die Animation Culturelle régionale des Kulturministeriums ist ein verlässlicher Partner. Leader und Isleker Art helfen tatkräftig bei den Journées du Chant Grégorien. Fast 50 % unserer Abonnenten zahlen ein « Abonnement de soutien“. All dies erlaubt dem Cliärrwer Kanton effiziente Aktivitäten. Aber in einer Gegend, die nach wie vor unter dem leidet, was René Maertz einmal « désertification intellectuelle“ nannte, ist das Rekrutieren von Nachwuchs beileibe nicht einfach. Die Freiwilligen stehen nicht Schlange. Unvermeidlich daher, dass die Arbeit an einigen wenigen hängen bleibt.

Dennoch, eine Krise steht nicht ins Haus. Die Zeitschrift in Ihren Händen wird weiter erscheinen, und auch auf die Journées du Chant Grégorien wird man sich in Zukunft freuen dürfen. Die Bibliothek Tony Bourg, mit Leader-Mitteln in Ulflingen aufgebaut, erstarkt zusehends. Unsere beliebten Ausstellungen zum Jahreswechsel werden fortgesetzt. Aber wie manch andere Vereinigung bewegt sich der Cliärrwer Kanton auf dünnem Eis. Die zuversichtliche « Equipe“ des Vorstandes hält fest zusammen, leistet gute Arbeit. Doch Realität ist, dass es keine Reservemannschaft gibt. Das sollte uns keine schlaflosen Nächte bescheren. Aber vielleicht doch zu denken geben.