De Cliärrwer Kanton 2005-2
Jean Jaans

Wa mir nët d’Zeeche vun der Zäit erkennen, si mir verluer!

Wie üblich war auch unsere « Assemblée Générale Ordinaire 2005 » nur mäßig gut besucht, aber einmal mehr hatten die Abwesenden unrecht, denn ihnen entging der kritische und gründliche « Überflug » von Präsident Léon Braconnier der großen und kleinen ungelösten Probleme im Kanton, und außerdem konnten sie nicht teilnehmen an einer lebhaften Diskussion zum brandaktuellen Thema « Och e Lycée un der Nord-spëtzt! » In dem nachfolgenden Bericht versuchen wir, wesentliche Punkte festzuschreiben, wobei wir uns an die Traktandenliste mit sieben Punkten halten: Ansprache des Präsidenten – Tätigkeitsbericht – Finanzbericht – Bericht der Kassenrevisoren – Festsetzung des Mitgliedsbeitrags für 2006 – Teilweise Erneuerung des Vorstandes – Verschiedenes und freie Aussprache.

Pünktlich um 20.00 Uhr eröffnete Léon Braconnier die 26. Generalversammlung im Clerfer Kulturzentrum. Nach herzlichen Begrüßungsworten an die anwesenden Mitglieder und Ehrengäste entschuldigte er die Abwesenheit von Ministerin Marie-Josée Jacobs, der Abgeordneten Camille Gira und Jean-Paul Schaaf sowie einiger Bürgermeister und Vorstandsmitglieder.

Einleitend betonte der Redner, die Generalversammlung unseres Vereins sei eine Verpflichtung wie ebenfalls bei anderen Vereinigungen. Berichte müssen angehört und erörtert werden, wobei Langeweile zu vermeiden ist. Wie in der Vergangenheit soll die Versammlung eher im Plauderton statt mit staubtrockener Ansprache « beglückt » werden, versprach der Präsident und es sei gleich betont, dass er Wort gehalten hat: Seine Ausführungen waren lebendig und interessant, zugleich aber auch getragen von Klarsicht und Ironie, und die Probleme an der Nordspitze wurden mit Sachkenntnis und intellektueller Unabhängigkeit dargestellt.

Im vergangenen Jahr wurde unsere Vereinigung 25 Jahre alt. Die

beachtliche Leistungsbilanz

lässt sich zeigen und wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Unsere Zeitschrift behauptet im Reigen der nationalen Publikationen noch immer Referenzrang. Jeder, der unsere Spezialnummer « Sur les traces du Cliärrwer Kanton » durchblätterte oder besser gesagt gelesen hat, war von dem in 25 Jahren Veröffentlichten beeindruckt. Wir verfolgten das Ziel, aus den ab 1979 veröffentlichten 2100 Beiträgen interessante Auszüge zu veröffentlichen und zunächst waren wir selbst von der Vielfalt des in einem Vierteljahrhundert Gedruckten tief beeindruckt. Es entstand ein Spezialheft, das viel Echo auslöste und mit dieser vorzüglichen « Werbung » haben wir gezeigt, wie vielseitig und vollständig die im Laufe der Jahre geschaffene Dokumentation über die Region ist und welche Unmenge an Vorschlägen Redaktion und Mitarbeiter geliefert haben.
Man kann durchaus die Behauptung wagen, unsere Zeitschrift sei die viel beschworene « Mémoire » der Region. Die gespeicherten Erinnerungen und Tatsachen sind wichtig, denn das Wissen um Gestriges, um das Leben in vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten, ist zugleich auch Wegweiser in die Zukunft. Das Wissen um seine Vorgänger macht den Menschen reicher und erlaubt ihm bewusstes Leben. Das nationale audiovisuelle Zentrum hat in Zusammenarbeit mit dem « Broadcasting Center Europa » ein Projekt gestartet zum Thema « Sauvegarde du patrimoine audiovisuel luxembour-geois ». Es ist tatsächlich wichtig, die Vergangenheit auch materiell zu sichern und sie so unseren Nachkommen zu erhalten. Im gleichen Sinn sind die bereits veröffentlichten 7400 Seiten unserer Zeitschrift ein ganz besonderes wichtiges Zeugnis für unsere Region. Auch wenn man wünschen könnte, dass unsere Arbeit besser anerkannt würde, freuen wir uns über die zahlreichen Reaktionen aus Leserkreisen.

Unsere Zeitschrift hat sich kontinuierlich und prächtig entwickelt. Aus einer bescheidenen Publikation wurde

eine Zeitschrift mit Format

und in diesem Zusammenhang ist die schlechthin unersetzliche Arbeit unseres Hauptschriftleiters Henri Keup zu erwähnen und das ganz große Talent von Madame Laurence Claude von der Imprimerie EXE. Durch ihren Einsatz und ihre Kompetenz entsteht viermal im Jahr ein schönes DCK-Heft. Besten Dank!

Machten wir uns in den ersten Jahren Sorgen mit der Frage, ob auf Dauer gesehen genügend Material zur Verfügung stünde, müssen wir uns heute eher mit dem gegenteiligen Problem auseinandersetzen. Die Seitenzahl hat zugenommen und gegenwärtig haben wir eine Art « Warteliste » für unsere Autoren. Infolge von finanziellen Engpässen hat unser neuer Schatzmeister der Redaktion bestimmte Grenzlinien empfohlen, die leicht unter der rezenten Vergangenheit liegen. Vorsicht im Schreibladen ist angesagt und unserm Kassierer gebührt Anerkennung für seine gute und nützliche Arbeit, aber andererseits empfindet man doch auch leises Bedauern, wenn die Zeitschrift nicht in dem Umfang erscheinen kann, der möglich wäre …

Diese Überlegung führt ziemlich gradlinig zur Feststellung, dass es bei den Kulturinvestitionen eine übergroße Diskrepanz gibt zwischen dem, was in der Hauptstadt erfolgt und dem, was für « Kultur auf dem Lande » an Krümeln übrig bleibt. Es ist selbstverständlich, dass nicht mehr ausgegeben werden kann als das Verfügbare, aber man muss die Frage stellen,

ob die Verteilung in Luxemburg

gerecht ist. So sind beispielsweise bereits 28 Mitarbeiter für die « Philharmonie » seit längerer Zeit fest angestellt. Mit einigen 1000 Euro an mehr könnten wir eine Zeitschrift ohne Einschränkungen herausgeben. Auch im Kunstbereich und im kulturellen Gebiet werden ab und zu Gelder in Projekte gepumpt, die – falls sie nicht blühender Unsinn sind – zumindest täuschend ähnlich aussehen.

Unsere « Journées du Chant Grégorien » sind jedenfalls kein Quatsch. Sie haben eine ganz besondere Ausstrahlung und es ist schon beeindruckend, wenn die Abteikirche sich im Monat Oktober Sonntag um Sonntag mit Menschen füllt, die eine Stunde lang alte Sakralgesänge hören wollen. Es wäre ganz sicher wünschenswert, dass die Medien unsere Initiative im Vorfeld und hinterher nachhaltiger begleiten würden. So ist beispielsweise aufgefallen, dass im vergangenen Jahr keine einzige Aufnahme unseres Staatschefs in der Tagespresse zu sehen war.

Unsere Bibliothek « Tony Bourg » fährt weiter auf Erfolgsschiene und das erfüllt uns mit Freude; Sekretärin Malou Wagner wird Einzelheiten mitteilen. Mit Dank wird die Nachricht entgegen genommen, laut welcher unsere Bibliothek im kommenden Jahr durch eine Konvention mit dem Kulturministerium anerkannt und gefestigt wird. Wir werden damit von manchen finanziellen Problemen befreit – wir sind der Meinung, dass eine Vereinigung ohne Gewinnzweck nicht unbedingt die Personalkosten einer Regionalbibliothek tragen muss.

Über das rein Kulturelle hinaus befasst « De Cliärrwer Kanton » sich auch intensiv mit dem Leben in der Region. Der Präsident erhält regelmäßig Anrufe mit Beschwerden über vielfältige Problemkreise. Der Fächer reicht von

Schmutzecken entlang Spazierwegen

über unfreundlich Bedienung im Restaurant und auf Terrassen bis zu Bauruinen in unseren Ortschaften. Wir gehen den Klagen nach, insbesondere auch, weil ein guter Freund meint, unsere Vereinigung solle kritische Fragen zur Diskussion stellen.
Aus dem Zusammenprall von Meinungen entsteht funkelndes Licht. Auch die Versammlungen unserer treuen Mitglieder bieten Möglichkeit zu Austausch und Konfrontation von Ideen und Vorschlägen. Gemeinsam glauben wir an die Zukunft der Nordregion, doch ist der Erfolg nicht ohne weiteres gesichert.

Im « Luxemburger Wort » vom 17. März 2005 war ein Artikel zum Thema « d’Lobby fir de Norden » von Präsident Charles Konnen zu lesen, in dem der Autor meinte: „Der Norden ist mit rund 90000 Einwohnern im Vergleich zu 450000 immer noch eine Minderheit. Wir müssen immer wieder kämpfen, um nicht vergessen zu werden. Die Lobby gibt der Region – zusammen mit anderen – eine Stimme « von unten » und sorgt dafür, dass das Feuer nicht erlöscht. » Diese Bottom-up-Methode reiche nicht, kommentierte Redakteur Ady Richard. Ein weiteres Konnen-Zitat: „Wir brauchen auch einen Top-Down-Kick, also eine Zündung der Prozesse durch die Regierung von oben. Nur wenn beide Strömungen sich in der Mitte treffen, kommt Fruchtbares für die Region heraus. Konkret bedeutet dies auch mehr Geld für den Norden. »

Selbst wenn im Ösling manches verwirklicht wurde, besteht dennoch Grund zur Sorge. Eine beachtliche « to do »-Liste bleibt abzuhaken. Beispiel Transport: Hier gibt es seit vielen Monaten große Sorgen mit der Eisenbahn-Nordstrecke. Wieder einmal sind die belgischen Nachbarn offenbar nicht bereit, der

Verbindung Gouvy-Liège

eine Zukunft zu sichern. Die Strecke soll laut vorliegenden Informationen auf belgischem Gebiet möglicherweise zurückgestuft werden in dem Sinne, dass bei mehreren Bahnhöfen Personalabbau erfolgt und dass es außer « Bommelzich » keine Expresszüge mehr geben soll. Für Luxemburg ist das natürliche ein harter Rückschlag, wenn man berücksichtigt, dass uns somit der Anschluss an den TGV Paris-Brüssel-Köln sozusagen gestrichen wird. Hat Luxemburg nicht einen beträchtlichen Kostenanteil bei der Elektrifizierung der Strecke Gouvy-Rivage getragen?

Man kann nur bedauern,

dass die Eisenbahnstrecke Luxemburg-Lüttich ein Stiefkind bleibt. Auf belgischem Gebiet liegt die wirtschaftliche Geschwindigkeit bei 64 Stundenkilometern, weil Kurven nicht begradigt wurden und weil die Haltezeiten in den Bahnhöfen infolge langer eingleisiger Teilstrecken relativ bedeutend sind. In Lüttich sind die Verbindungen nach Maastricht, Köln, Brüssel und Antwerpen auch denkbar ungünstig. Insgesamt betrachtet bleiben die Interessen der luxemburgischen und belgischen Kundschaft im wahrsten Sinne des Wortes « auf der Strecke ». Wie erinnerlich waren 1980 in Ulflingen 6000 Menschen zusammen gekommen, um sich energisch für das Erhalten der Strecke einzusetzen. Heute sieht die Zukunft freilich wieder recht düster aus. Angeblich sollen die belgischen Instanzen 2007 entscheiden, ob die Expresszüge tatsächlich verschwinden und die Strecke zu einer « Ligne rurale » zurückgestuft wird. Betrachtet man das teilweise veraltete und verschmutzte Fahrmaterial, das auf dieser Strecke eingesetzt wird, kommt man unwillkürlich zur Vermutung, dass hier manches unternommen beziehungsweise unterlassen wird, um die Verbindung Luxemburg-Lüttich bereits heute unattraktiv zu machen. Es bleibt die Frage, weshalb denn so aufwändig elektrifiziert wurde, um hinterher auf halbem Wege stehen zu bleiben …

Auch beim Straßentransport

gibt es weiterhin Defizite. Die Mitbürger/Innen, die häufig die so genannte « Dräibunn » benutzen, wissen wie frustrierend manche Szenarien sind. Ein Traktor, ein Schwertransporter, ein Wohnwagen und man fährt oft viele Kilometer mit Tempo 30!

« De Cliärrwer Kanton » freut sich über die Schaffung von Arbeitsplätzen in unserer Region. Aber die Zeit für Entscheidungen im Straßenverkehr ist überreif, denn die Entwicklung im Gefolge der wirtschaftlichen Förderung muss gelenkt werden. Unsere Forderung betrifft beispielsweise den Kantonalhauptort: Von Marnach herunter bis zum engen Zentrum gibt es bergseitig drei 180-Grad-Kurven und auf flacher Strecke zwei dicht aufeinander folgende 90-Grad-Kurven. Zwischen Post und Supermarkt ist die Straße in Clerf derart schmal, dass zwei Fernlaster oder Busse nicht aneinander vorbei kommen. Léon Braconnier ist der Auffassung, dass Schwerverkehr in einer Touristenortschaft nichts zu suchen hat: „Wir benötigen zur Lösung der Probleme keine Experten, die Schwierigkeiten auftürmen, sondern verantwortungsbewusste Realisten, die handeln, bevor schwere Unfälle zu beklagen sind. »

Abgesehen von fehlender Sicherheit leidet Clerf auch unter der Lärmplage. Nahezu jeden Tag machen Tiefkühlwagen sich im Zentrum unangenehm bemerkbar, dicht neben den Terrassen sorgen « Provençale » und andere Unternehmen für Belästigung. Anscheinend müssen die Dieselmotoren auf Touren bleiben, um die Kühltemperatur im Wagen in erforderlichen Grenzen zu halten. So weit noch einigermaßen gut, aber weil ein Aufenthalt in Clerf immer gemütlich ist, verbinden manche Fahrer ihre Mittagspause mit Lieferarbeit, so dass vereinigte Motoren während vielen Stunden zu hören sind. Und das Ganze in einer Zeit, in welcher bei unseren deutschen Nachbarn zwischen Sorge und Panik über « Feinstaub » gesprochen wird …

Im vergangenen Jahr fand unsere Generalversammlung vor den Parlamentswahlen statt. Präsident Braconnier gab damals seiner Enttäuschung Ausdruck, weil das Projekt « E Lycée am Kanton » keine Fortschritte mache. Mehrere Abgeordnete besänftigten uns und meinten, nach den Wahlen werde das Problem ganz sicher gelöst.

Laut vorliegenden Informationen

sind aber immer noch keine wesentlichen Fortschritte zu verzeichnen. Im Leitartikel unserer vorletzten Zeitschrift war zu lesen, das Lyzeum werde zu spät kommen und in der letzten Nummer stellte Vorstandsmitglied Jean Jaans die Frage « Bleiwt de Lycée am Kanton Clierf nëmmen en Dram? ». Der Autor äußerte übrigens nicht nur Skepsis und Ärger rundum das Lycée-Problem, sondern stellte mehrere Fragen allgemeiner Tragweite zur « gerechten » Verteilung von Investitionen im Land. Wer setzt die Prioritäten?

Initiativen von der Basis sollten sich wie bereits zitiert mit Unterstützung « von oben her » treffen. „Nur wenn beide Strömungen sich in der Mitte vereinen kommt Fruchtbares für die Region heraus » hieß es. Dieses Statement kann man freilich auch ins Negative verändern und das klingt dann etwa wie folgt: „Wenn beide Strömungen sich nicht in der Mitte treffen, kommt Furchtbares für die Region heraus. »

Einwohner und « Forces vives » unserer Region haben die besten Möglichkeiten für Basis-Initiativen. Es ist aber auch bekannt, dass ein Vorhaben größerer Dimension Unterstützung « von oben her » benötigt. Beispiel Lyzeum: Welcher Fortschritt ist zu verzeichnen, wenn wir zwar alle von der Notwendigkeit einer Sekundarschule im Kanton überzeugt sind, wenn dann aber in höheren Sphären lediglich leere Floskeln aufgewärmt werden und immer wieder betont wird: „Ma jo, da kucke mer mol. » Der Redner ironisiert: „Wou solle mir da kucken? Zur Fënster eraus oder an den Himmel? »

Léon Braconnier hat den Eindruck, als sei gegenwärtig in unserer Region « d’Loft e bësschen eraus ». Prioritäten werden im Land an ganz anderen Orten definiert und gesetzt. In diesem Zusammenhang ist es keine angenehme Aufgabe, ab und zu beziehungsweise jedes Jahr den « Avocat du Diable » spielen zu müssen und zum Beispiel regelmäßig die Frage zu stellen, ob die Nordspitze nicht immer ein Stiefkind ist und bleibt. Im staatlichen Fünfjahresprogramm für die Jahre 2004/2008 finden wir 168 Bauprojekte, davon gerade mal zwei im Kanton Clerf: Lager für die Straßenbauverwaltung in Clerf und ein weiterer Bauabschnitt im Park Hosingen. Im Straßenbereich ist kein größeres Vorhaben zu finden – aber wie steht es mit den Umgehungen von Ulflingen und Clerf? Eine ausgewogene Landesplanung sollte nicht nur nach der « Zahl von Köpfen » planen, sondern auch nach der « Zuel vun Hektaren ».

Nach Meinung des « Cliärrwer Kanton » hätte eine bessere Vertretung des Nordbezirks bei der Regierungsbildung der Fairness entsprochen und es ist bedauerlich, dass das Ösling bei der Ministeramt-Verteilung ungenügend berücksichtigt wurde.

Doch das Gute kommt nicht nur von oben und wenn man die allgemeine Regsamkeit im Kanton betrachtet, stellt sich unwillkürlich die Frage, wie es denn mit dem « Bottom up », also dem Druck von unten beschaffen ist. Wohin ist die Aufbruchsstimmung entschwunden, die vor zehn und fünfzehn Jahren intensiv zu spüren war?

Wie steht es mit der guten Nachbarschaft,

die damals zwischen den Gemeinden bestand und gute Ergebnisse für das Ganze ermöglichte? Eine Tatsache steht fest: Wenn wir die Zeichen der Zeit nicht verstehen und wenn es beispielsweise bei den Gemeindefusionen keinen nennenswerten Fortschritt gibt, dann sind wir verloren. Wenn jede Gemeinde wiederum ihr eigenes Süppchen köchelt und wenn Uneinigkeit weiterhin stört und lähmt, machen wir es Nichtfreunden der Nordspitze recht einfach. Nur durch eine ehrliche Zusammenarbeit über eventuelle Parteigrenzen hinweg können wir Besseres erreichen. Es gibt ganz prägnante Beispiele und hier zitiert der Redner den SICLER. Ohne dieses aktive Syndikat hätten wir ganz sicher keine regionale Industriezonen und keine Musikschule, die eine bekannt beispielhafte Arbeit leistet. Es ist durchaus vorstellbar, dass der SICLER eine noch aktivere Rolle im sozialen und wirtschaftlichen Aufbau unserer Region übernehmen könnte, denn er ist der ideale Wortführer des Kantons, politisch legitimiert und repräsentativ für alle unsere Gemeinden.

Wir benötigen Sauerstoff an der Nordspitze, wir müssten unsere berechtigten Forderungen ganz entschieden in die Hauptstadt tragen. Wir brauchen Solidarität und Energie und Verständnis für unsere Lage und Entgegenkommen in den Verwaltungen und Ministerien. Léon Braconnier ist sich unschlüssig, ob es Sinn macht, einmal mit der Faust auf den Tisch zu hauen, aber er ist der Meinung, dass wenn wir alle gemeinsam die Stimme erheben, diese Stimme in Luxemburg gehört wird (und Gehör findet). In diesem Sinn richtet der DCK-Präsident einen Ausruf an die lokalen und regionalen Verantwortungsträger, gemeinsam gegen Indifferenz und Lethargie vorzugehen.

Den Schluss seiner Ausführungen

widmete der Redner fast schon traditionsgemäß kritischen Anmerkungen zum unübersehbaren geistig-kulturellen Siechtum unserer Tage. Teils ironisch-leichtfüßig und teils deutlich pessimistisch entwickelte er Gedanken zum tief greifenden Wandel in Sprache, Umgang und Gewohnheiten. Dabei konzentrierte er sich auf Misshandlungen unserer Heimatsprache, für die einige Stümper in Radio und Fernsehen verantwortlich zu zeichnen haben, aber auch für Nachlässigkeiten und Entgleisungen im deutschen Sprachraum gab es wenig Verständnis bei dem an Genauigkeit und Gründlichkeit festhaltenden Apotheker-Präsidenten. Wir zitieren Originaltext:
„Am Lëtzebuergeschen conjugéiere mir nët méi – ech wëll, du wëlls, hie wëllt, mee nëmme méi ech wëll, du wëlls, hie wëll – . Hie wëll nët méi, ech och nët méi! »
Awer och bei eisen däitsche Noperen ass et nët besser. Scho lang kléngt et ganz distinguéiert, de K wéi e G ze soen, an e G wéi e K. Sou ass et dann nët méi « der Garten », mee « der Karten », an nët méi « die Krankheit », mee « die Grankheit ». Verstitt also richteg, wann een iech seet « Ich kehe mal gurz in den Karten ». Dat selwecht gëllt iwregens och fir de P an de B. Di allermeescht däitsch Journalisten, Gewerkschaftler, Politiker, oder och den einfache Mann oder di einfach Frau vun der Strooss soe nët méi « im Frühling dieses Jahres », wéi mir et geléiert gouwen, mee « im Frühling diesen Jahres ». An zënter an enger sougenannter Casting Show irgendee Mannerbemëttelte vun der « Djury » geschwat huet amplaz vun enger « Jury », gëtt et bei eisen däitsche Noperen

nëmmen nach « Djuryen an Djournalisten »!

Wir leben in einer Zeit von Paradoxen. Wir joggen und walken was das gesundheitliche Zeug hält, aber im Hotel oder im Krankenhaus nehmen wir den Aufzug zum ersten Stockwerk. Die jungen Menschen mailen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, aber zahlreiche Fehler sind unübersehbar. « Mee dat ass jo egal! » Flink auf der Tastatur und schnell hinter dem Steuerrad, aber nicht wissen, wie man Gabel und Messer handhabt …

Zum Schluss seiner wie immer ebenso tief schürfenden wie kurzweiligen Ausführungen findet der Redner herzliche Worte des Dankes. Dank an den ersten Bürger im Land, an Abgeordnete, Bürgermeister, Schöffen und Gemeinderäte für ihre Anwesenheit als Ehrengäste. Dank aber auch an alle Mitbürger/Innen, die uns im vergangenen Jahr auf irgendeine Weise geholfen haben durch einen Beitrag in unserer Zeitschrift, durch finanzielle oder organisatorische Unterstützung. Und selbstverständlich auch an die Gemeindeverwaltungen, an den SICLER, das Kulturministerium, den Animateur Culturel, an unsere Freunde im politischen Leben. Und last but not least auch Dank an die Gemeinde Ulflingen, die unserer Bibliothek einen angenehmen Rahmen bietet, und an die Clerfer Gemeinde, die unser Vereinslokal zur Verfügung stellt.

Zuguterletzt auch besten Dank unseren treuen Mitgliedern, die unserem Kanton verbunden bleiben durch die Zeitschrift, wo auch immer sie wohnen. Am Erscheinungstag einer jeden « neuen » Nummer empfinden viele Freunde Dank und Freude. Unser Vorstand will auch in Zukunft zielstrebig alles Mögliche unternehmen, damit es so bleibt!

Der Tätigkeitsbericht von Sekretärin Malou Wagner

war exhaustiv und übersichtlich und lieferte ein getreues Abbild der vielseitigen Vorstands-Aktivitäten im Berichtsjahr 2004:
Beginn mit der traditionellen Kunstausstellung, bei welcher die belgischen Künstler Willy Dory (Skulpturen) und André Paquet (Gemälde) einem kunstfreudigen Publikum ihre Werke zeigten.
Die Generalversammlung fand statt am 30. April und gab Präsident Léon Braconnier die erwünschte Gelegenheit zu einem Rückblick auf 25 Jahre « Cliärrwer Kanton ». In vielen Jahren ist unsere Vereinigung ihren Zielen treu geblieben und hat ihre Meinung zu allen wichtigen Problemen an der Nordspitze kompromisslos geäußert. Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft und hoffen, dass im Rahmen der Zukunftsgestaltung des Landes auch klar erkannt wird, dass ein Lyzeum im Kanton Clerf für unsere Jugend unbedingt gebaut werden muss.
Im Monat Oktober wurden die achten « Journées du Chant Grégorien » in der Abtei veranstaltet. Sie begannen am 6. Oktober mit einem Vortrag von Père Abbé Michel Jorrot und an drei aufeinander folgenden Sonntagen fanden folgende Konzerte statt: « Coro Gregoriano » aus Lissabon am 10. Oktober; die Schola der Clerfer Abtei am 17. Oktober und « Vox Clamantis » aus Estland am 24. Oktober.
Die gesamte Veranstaltung fand wie in den vorangegangenen Jahren großes Interesse und wurde zum Erfolg, einerseits wegen des außerordentlich würdigen Rahmens und andererseits aber auch wegen des erstklassigen Programms. Großherzog Henri bereitete uns die Ehre seines Besuches beim zweiten Konzert, auch dadurch wurde die kulturelle Bedeutung unserer Journées unterstrichen.
In der Zeit vom 22. bis 24. Oktober wurden die bereits allgemein bekannten Stagetage in gregorianischem Gesang abgehalten. Jedes Jahr melden sich zahlreiche neue « Gregorianer ».
Am 29. Oktober gab es einen interessanten Leseabend mit dem best bekannten Autor Guy Rewenig. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt – eine Anerkennung für den Schriftsteller, zugleich aber auch ein sichtbares Zeichen für ungebrochene Freude am Lesen.
Das Jahr schloss ab mit der beliebten Kunstausstellung bei Teilnahme der Künstlerinnen Andrée Schwabe (Gemälde) und Evelyne Neuman (Skulpturen).
Im Berichtsjahr 2004 fanden fünf Vorstandssitzungen statt; das Redaktionskomitee trat viermal zu Arbeitssitzungen zusammen.

Die Hauptaktivität unserer Vereinigung

liegt ohne Zweifel bei unserer Zeitschrift. Mit attraktiver Gestaltung und kritischen Beiträgen ist sie Sprachrohr für die Region und bietet dem Leser gesellschaftskritische, literarische und historische Beiträge. In unserer Sondernummer « Sur les traces du Cliärrwer Kanton » findet der Leser auf 100 Seiten Auszüge aus Beiträgen von 1979 bis 2004. In der Vielseitigkeit der Texte kommt zum Ausdruck, wie lebendig und unabhängig seit 25 Jahren im Kanton überlegt und geschrieben wird.
Auch die « Bibliothek Tony Bourg » gehört zu unseren erfolgreichen Aktivitäten. Sie wurde in kürzester Frist zum festen Bestandteil im kulturellen Leben des Kantons. Die Bibliothek ist dreimal in der Woche für Interessenten geöffnet und zwar am Montag, Donnerstag und am Freitag sowie zusätzlich am ersten Samstag im Monat.
Einige Zahlen illustrieren die Entwicklung:
2001 verfügten wir über annähernd 1500 Bücher, heute sind es 9000 aus allen Sparten von Literatur und Wissen.
2001 hatten wir 136 Abonnenten, zum Jahresende 2004 waren es fast 300, vor allem in Form von Familienmitgliedschaft. Die Leser stammen aus 15 Gemeinden und die Bibliothek ist weit über die Kantonalgrenze hinaus bekannt. Auf Wunsch können die Leser auch Bücher aus der Nationalbibliothek bestellen. Im Vorjahr wurden etwa 7000 Bücher ausgeliehen, die Angabe unterstreicht den Erfolg dieser Einrichtung.
Zum Schluss gab die Sekretärin noch einen Programm-Überblick für 2005:
Im Oktober werden die neunten « Journées du Chant Grégorien » veranstaltet, wiederum mit einem ausgewählten Programm:
Vortrag von Pater Abt am Mittwoch 5. Oktober, sodann folgen unsere drei Konzerte: Sonntag 9. Oktober mit einem Frauenchor « Schola Benedicta » aus Prag; am 16. Oktober die Schola der Abtei und im dritten Konzert der Männerchor « Ars Choralis » aus Köln. Vom 21. bis 23. Oktober singen und arbeiten die Stagiare.

Der Finanzbericht von Schatzmeister Adrien Wouters

war klar und übersichtlich und vermittelte eine transparente Kostenanalyse der Aktivitäts-Sparten:
Bei den Einnahmen bildeten die Mitgliederbeiträge mit 44 451 Euro den Hauptanteil, gefolgt von Subventionen (Staat und Gemeinden) in Höhe von 40 803 Euro, Einnahmen aus der Zeitschrift von 562 Euro, und aus der Bibliothek Tony Bourg 1 350 Euro. Die « Journées du Chant Grégorien » sicherten Einkünfte von 5 515 Euro und unter « Verschiedenes » wurden 820 Euro verbucht. Gesamteinnahmen 93 504 Euro.
Bei den Ausgaben erforderte die Veröffentlichung unserer Zeitschrift selbstverständlich den Löwenanteil mit 54 733 Euro; die Bibliothek in Ulflingen kam mit relativ bescheidenen 7 104 Euro aus, während die umfangreiche Organisation der « Chant-Grégorien » – Tage 11 167 Euro an Ausgaben bedingte; verschiedene Ausgaben beliefen sich auf 2 484 Euro. Gesamtausgaben 75 489 Euro.
Gesamteinnahmen und -ausgaben ergaben einen Saldobetrag von 18 014 Euro, so dass die verfügbaren Eigenmittel von 26 982 Euro (31.12.2003) auf 44 997 Euro anstiegen und eine robuste Gesundheit auswiesen. Die Kassenrevisoren Francis Kler und Marie-Paule Reuter waren mit den Ergebnissen ihrer Kontrollarbeit zufrieden und empfahlen Kontenentlastung, die von der Versammlung per Akklamation gewährt wurde.

Bei der abschließenden freien Aussprache wurden verschiedene aktuelle Probleme im Kanton berührt, jedoch konzentrierte sich die Diskussion auf die Frage « Wéi ass et mat dem Bau vun engem Lycée am Kanton Clierf? » Die frühere Regierung hat leider keine Grundsatz-entscheidung getroffen, obwohl die wachsenden Schülerzahlen die Notwendigkeit eines Lyzeums an der Nordspitze seit mehreren Jahren unterstreichen. Die anwesenden Deputierten zeigten zwar Sympathie und Verständnis, hielten sich hinsichtlich konkreter Aktion jedoch eher bedeckt. Der Vorschlag eines Vorstandsmitglieds, eine Unterschriftenaktion zu veranstalten, löste kein Echo aus und so endete die Diskussion mit der eher resignierten Feststellung, man solle am Ball bleiben und irgendwann in der Zukunft werde man schon Konkretes erleben. Wann et alt ass!

Der Clerfer Bürgermeister François Stephany ging in einer längeren Intervention auf allgemein kommunalpolitische und kulturelle Fragen ein, bevor er die Anwesenden auf einen Ehrenwein einlud, bei dem aufgezeigte Probleme noch weiter freundschaftlich erörtert wurden.

Vollständigkeitshalber ver¨ffentlichen wir nachstehend die Liste der Vorstandsmitglieder in ihrer Zusammensetzung nach den Teilwahlen vom 21. April:
Präsident: Léon Braconnier; Sekretärin: Malou Wagner; Schatzmeister und Webmaster: Adrien Wouters; Chefredakteur der Zeitschrift: Henri Keup; Mitglieder: André Bauler, Mathias Boever, Francis Breyer, Emile Hansen, Netty Hoffmann, Jean Jaans, Inge Kirsch, Aloyse Kohnen, Marcel Lenertz, Aloyse Nosbusch, Jean Reiland.