De Cliärrwer Kanton 2008-2
Jean Jaans

Notizen zu unserer Generalversammlung vom elften April 2008

Traditionsgemäß fand unsere Generalversammlung ’08 im geschmackvoll gestalteten Clerfer Kulturzentrum statt. Wie üblich vor einer eher bescheidenen Mitgliederkulisse. Die zwischen Geringpräsens und Teilnahmslosigkeit schwankende Anwesenheit von Mitgliedern ist keineswegs für unsere Vereinigung allein ein Problem, aber zu bedauern ist die Tatsache allemal. Auch das aktive Interesse « offi zieller » Persönlichkeiten lässt starke Wünsche offen – sie dürften und sollten nicht nur in Wahljahren Sympathie und Unterstützung zum Ausdruck bringen…

In seiner nach gewohnter Art wohl durchdachten und mit höflichkritischen Randbemerkungen gespickten Ansprache setzte der Präsident Léon Braconnier interessante Aspekte zwischen Dank für das schöne Werk Cube 21 und Hoffnung rundum das ersehnte Clerfer Lyzeum. In der Folge versuchen wir die wort- und sinngetreue Wie- dergabe seiner mit viel Beifall quittierten Ausführungen. Zwei Minister, fünf Abgeordnete und eine Reihe von Bürgermeistern ließen sich wegen anderweitiger Verpfl ichtungen entschuldigen.
Am vergangenen 21. März begann der Redner Gedanken zu sammeln zum Willkommgruß ’08. Das war am Karfreitag – auch die Vorbereitung einer Ansprache kann Buße sein – und das war der Tag, an dem der Winter mit zahlreichen Schneeschauern aufwartete, aber auch mit Aufhellungen vor blauem Himmel. Léon Braconnier empfand den Tag wie das Wetter mit ernstem Denken rundum Karfreitag und Freude am Osterfest. Und bei dieser Gelegenheit musste er an Yin und Yang denken – in unser aller Leben präsent, und wahrscheinlich auch in unserer Vereinigung.
Das Yin-Yang-Bild zeigt ein viel friedlicheres Zeichen als das Logo unserer Vereinigung, das spitz und scharfkantig aussieht. Hingegen ist das Yin-Yang-Bild zart, rund, friedlich. An diesem Abend unserer jährlichen Versammlung wollen wir alle recht versöhnlich und umgänglich sein… Laut chinesischer Auffassung sind Yin und Yang nicht gegensätzlich, sondern ergänzen einander. Also zwei Arten von Eigenschaften, zwei Gruppen in den Aspekten der Wirklichkeit. Das ewige Problem des Gleichgewichtes. Der Redner will die Feststellung an fünf Beispielen illus- trieren, an Beispielen nämlich, die unsere Vereinigung direckt betreffen und die Léon Braconnier unumwunden frei auf den Tisch legen möchte. Dies nach dem Motto: Dës ‘allocution du président’ ass wéi gewinnt keng Sonndesried, mee et soll e Gespréich ënner Frënn sin. » Unsere Generalversammlungen – fast ausnahmslos im kleinen Kreis – unterscheiden sich von vielen anderen durch die anschließende Diskussion und die behandelten Themenkreise.

1.Chant grégorien

Die Geschichte unserer Vereinigung wird durch viele Erfolge gekennzeichnet. Abgesehen von unserer Zeitschrift hatte kaum ein anderes Projekt ein derart großes Echo wie eben die « Journées du chant grégorien », die eindeutig immer wieder als bedeutsame Initiative gewürdigt werden. Und trotzdem haben wir in unserer Vorstandssitzung vom vergangenen Dezember die Frage beraten, wie es weitergehen soll. Mit unserem letztjährigen Konzert mit dem Chor « Capella » aus Tokyo haben wir nämlich ein Niveau erreicht, das kaum noch überboten werden kann. Erneut war der kirchliche Raum ganz gefüllt, mit kunstfreudigen Menschen aus der Grenzregion, aus dem ganzen Land. Auch zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen der japanische Botschafter mit großem Gefolge, beehrten uns durch ihre Gegenwart. Mit tiefgefühlter Ergriffenheit denken wir zurück an die Augenblicke, wo der Chor – ganz konzentriert, nahezu in Trance – uns mitnahm auf eine Reise in eine Welt von Spiritualität und musikalischer Intensität. Es war eine Stunde glücklichen Empfindens, und derart starke Erlebnisse sind in der Abteikirche wohl kaum zu überbieten. Dieses 33. Konzert war ohne Zweifel dasjenige mit dem nachhaltigsten Eindruck – wir waren dem Geheimnis innigster Musikkunst ganz nahe…

Sollen wir nun aber sagen:

Das war ein schöner Abschluss, nun wollen wir Schluss machen, oder soll der Erfolg uns ermutigen, auch weiterhin Journées zu veranstalten? Bislang hat unsere Vereinigung viel Tatkraft investiert. Es ist schwierig zu beurteilen, in welchem Maße diese Tatsache in der breiten Öffentlichkeit erkannt und gewürdigt wurde. Aber selbst wenn ein Teil unserer Zuhörer glaubt, diese Konzerte seien Teil der Abteitätigkeit, ist dies nicht weiter zu beanstanden. Unserem Verein geht es ja nicht um sich selbst, sondern vorrangig immer um die Sache. Unsere Arbeit bestand darin, dem gregorianischen Gesang, der ja eine Heimstätte in unserer Gegend hat, ein weiter gespanntes Publikum zu ermöglichen, und im Nebeneffekt auf den spirituellen und kulturellen Reichtum der Abtei hinzuweisen. Diese Ziele wurden allesamt erreicht. Tausende von Kunstbegeisterten haben unsere Konzerte erlebt und waren größtenteils begeistert. Eine Reihe von Veranstaltern führen ebenfalls gregorianischen Gesang in ihrem Programm. Tatsache ist auch, dass die Verwirklichung dieser Journées relativ kostenträchtig ist und mit viel organisatorischem Aufwand verbunden bleibt, obwohl wir immer wieder versucht haben, die Kosten in Grenzen zu halten, indem unsere Vorstandsmitglieder ihr « Dîner de clôture » in den letzten Jahren stets selbst untergebracht, aber gleichzeitig auch versucht, ihren Aufenthalt so interessant wie möglich zu gestalten.

Alle Chorgäste

unserer Vereinigung haben immer dankbare Worte gefunden für herzlichen Empfang.

Im laufenden Jahr 2008 gibt es keine « Ausgabe » der Journées. Und zwar nicht, weil wir an Handtuchwerfen dächten, sondern weil die Abtei 2010 ihr hundertstes Gründungsjahr feiert; aus diesem Grund sind umfangreiche Arbeiten vorgesehen und die Abtei steht nicht zur Verfügung. Für uns stellte sich die Frage, ob wir unsere Konzerte an einem andern Ort veranstalten sollten, doch kamen wir zur Schlussfolgerung, dass wir angesichts unserer besonderen Beziehungen zu den « Pateren » lieber ein Jahr Pause einlegen.

Andererseits ist auch zu beachten, dass unsere Konzerte in der Abteikirche bestimmten Zwängen bzw. Rücksichten unterliegen: Wir können nicht einfach alles so organisieren, wie wir es eigentlich wünschten und wir können uns schon vorstellen, dass unsere Veranstaltung in einem neutraleren Umfeld stattfinden könnte, denn nicht jeder Zuhörer ist gleichzeitig auch ein gläubiger Mensch. Selbst ein mehr oder weniger großer Anteil von Sängerinnen und Sängern der gregorianischen Chöre bekennt sich nicht zu praktizierendem Christentum. Hier entsteht in einem bestimmten Sinn ein Malaise. Natürlich sind die Patres laut ihrem Standpunkt berechtigt zur Meinung, ohne Glauben hätten gregorianische Gesänge kein eigentliches Fundament. Tatsache ist aber auch, dass zahlreiche Zuhörer in unseren Konzerten vorrangig eine Wurzel der europäischen Musik finden, eine Quelle von Meditation und Entspannung. Der Redner bekam gelegentlich schon mal Bemerkungen zu hören über die Worte von Pater Abt vor den Konzerten und die vielleicht nicht immer ganz vereinbar sind mit der « neutralen » Auffassung, in der wir unsere politischen und religiösen Fragen sehen. Einige Zuhörer haben uns gesagt, sie seien nicht gekommen, um einer Andacht beizuwohnen, doch beurteilt Präsident Braconnier die Problemstellung nicht als dramatisch, weil ja der Gesang den bei weitem größten Teil unseres Programms darstellt.
Das Beispiel zeigt allerdings, wie schwierig es ab und zu ist, alle Meinungen zu berücksichtigen – Yin und Yang im Wechselspiel…

2. Cube 521

und die Bedeutung staatlicher Hilfe zur Förderung kulturellen Lebens in ländlichen Regionen:
« De Cliärrwer Kanton hat seit seiner Gründung immer wieder nachdrücklich auf die Beziehungen zwischen ländlichem Raum und Ballungsgebieten hingewiesen, und regelmäßig schlussfolgerten wir, diese Beziehungen sollten mehr von Partnerschaft als von Wettbewerb gekennzeichnet sein. Diese Feststellung gilt selbstverständlich auch auf kultureller Ebene. Deshalb haben wir die Eröffnung von Cube 521 in Marnach besonders lebhaft begrüßt und hier einen Quantensprung im kulturellen und sozialen Leben an der Nordspitze erlebt. Die Nordregion verfügt nunmehr über eine echte « Salle professionnelle de spectacles », mit hochwertigem Programm und gleichzeitigem modernen Konferenzzentrum. Die regionale Berufung von Cube 521 liegt auf der Hand, auch über die Grenzen hinaus. Nördlich von Ettelbruck – immerhin ein Drittel des gesamten luxemburgischen Territoriums – gibt es keine vergleichbare Infrastruktur. « De Cliärrwer Kanton » unterstützt selbstverständlich das prachtvolle « Unternehmen » Cube 521 und es ist kein Zufall, dass unsere Vereinigung bereits zwei Aufführungen gesponsert hat, die nebenbei gesagt alle beide ausverkauft waren. So geschehen auch mit dem Konzert des Gitarristen John Jorgensen und seinem Quintett, in dem Tania und Sandra Differding aus Clerf ihr musikalisches Können unter Beweis zu stellen vermochten, dies nachdem Roland Meyer die Künstlerinnen in einem Artikel in unserer Zeitschrift vorgestellt hatte.
Wir sind der Meinung, dass der Staat, nachdem er der wagemutigen Gemeindeverwaltung Munshausen Unterstützung bei der Verwirklichung des Cube-Projektes gewährte, auch weiterhin Hilfe bei hochwertiger Programmgestaltung leisten sollte. Ein Aufruf geht in Richtung « Gleichgewicht zwischen den Regionen ». Fern ist uns der Gedanke, nunmehr ein Kulturinstitut gegen ein anderes auszuspielen, vielmehr geht es vorrangig darum, ein einigermaßen gerechtes Gleichgewicht anzustreben. Wobei selbstverständlich unumstößlich wahr bleibt, dass die bedeutenden Kulturinfrastrukturen in der Hauptstadt große finanzielle « Verbraucher » sind. Es muss betont werden, dass Cube 521 mit einem kleineren Personalstab als andere Kulturunternehmen das Kunststück zuwege bringt, ein attraktives Programm anzubieten, in dem jeder Einwohner unserer Gegend sich zurecht findet. Cube 521
bietet etwa 50 Veranstaltungen
im Jahr und man kann laut Statistik mit 10000 Zuhörern/Zuschauern rechnen. Mit Freude und Genugtuung kann festgestellt werden, dass der Saal regelmäßig ausverkauft ist; der Präsident war bei den meisten Darbietungen zugegen und kann Begeisterung und Glück der Besucher bestätigen, von denen manche immer noch nicht glauben können, dass sie an der so lange vernachlässigten Nordspitze hochwertige Darbietungen genießen können. Wer hätte vor einigen Jahren auch nur im Traum denken können, dass das Radio Symphonie Orchester von Prag nach München, Köln und Düsseldorf in Marnach gastieren würde?
Leider muss aber auch festgestellt werden, dass das alles nicht nach jedermanns Geschmack verläuft: Wo Erfolg zu verbuchen ist, bleibt Neid oft auch nicht fern. Wir sind freilich nicht der Meinung, dass Cube 521 anderen Zentren Freunde weglockt. Vielmehr füllt Cube 521 eine Lücke aus. Zur normalen Infrastruktur einer großen Region gehört nun einmal ein kulturelles Angebot. Es gab kritische Stimmen, Einwohner der Nordspitze seien mit derart hochwertiger Kultur « überfordert ». Derartige Befürchtungen und Ängste wollen wir aus der Welt schaffen. Die allermeisten Freunde von Cube 521 wussten auch vorher Sinnvolles mit dem Begriff « Kultur » anzufangen, haben auch vorher bereits Musik genossen, und um zwischen den Sätzen eines Werkes Beifall zu spenden, muss man kein Ignorant sein, sondern man ist vielmehr ganz einfach nur begeistert…

3. Das Clerfer Lyzeum

Seit 2000 und bereits vorher sprechen wir bei Gelegenheit unserer Generalversammlungen immer ausgiebig über das « Dossier Lycée » und es handelt sich also wahrlich nicht um ein neues Thema. Zunächst musste die Berechtigung der Forderung erläutert werden. Zahlen wurden gegeneinander aufgerechnet und es entstanden lange und peinliche Diskussionen, insbesondere zur Standortfrage. In der Abgeordnetenkammer wurde das Problem ebenfalles verschiedentlich erörtert und am guten Ende waren alle einverstanden, dass das Lyzeum gebaut werden müsste. Lange Monate und Jahre vergingen – wir wollen ganz sicher nicht quer schießen, aber die Zeit wird doch verdammt knapp, wenn das Clerfer Lyzeum seine Pforten 2012 öffnen soll, wie in der Zeitung zu lesen stand. Bestimmten Informationen zufolge soll der entsprechende Gesetzesentwurf noch vor Jahresende auf den Instanzenweg gebracht werden; wann wir ein Vorprojekt zu sehen bekommen, ist noch nicht bekannt. Optimismus bleibt angesagt und Tatsache ist ja auch, dass an anderen Orten schöne Worte gleich von echten Taten gefolgt waren.
In einem Leserbrief haben wir präzisiert, dass das Konzept « unseres » Lyzeums rechtzeitig überlegt werden sollte. Obwohl wir in unserer Vereinigung eine Reihe von Pädagogen zählen, maßen wir uns nicht an, diesbezügliche Vorschläge zu formulieren. Aber es wäre doch logisch, das Gebäude laut pädagogischem Konzept zu planen und zu errichten und nicht umgekehrt.
Offenbar befi ndet die gesamte Angelegenheit sich auf gutem Weg, der Abgeordnete Marco Schank bestätigte dem DCK-Vorsitzenden ein Telefongespräch mit Bautenminister Claude Wiseler, laut welchem das Programmkonzept im Grunde fertig gestellt sei, so zwar, dass der Architekt bald mit den Bauplänen beginnen könne. Der Erwerb des erforderlichen Baugeländes rundum das Lyzeum sei so weit abgeschlossen, und die Entsorgung des früheren CTI-Geländes stelle offenbar keine bedeutenderen Probleme. Es besteht also Grund zu Zuversicht! Zum Schluss seiner « Lycée »-Überlegungen betonte Léon Braconnier noch einmal, viele Gründe sprächen für die Bezeichnung « Lycée Tony Bourg ». Das wäre nicht nur eine Anerkennung für eine außergewöhnlich bedeutsame Persönlichkeit aus unserer Region – wir haben sie nicht in Hülle und Fülle – und der Name wäre gleichzeitig Programm: Für Humanismus eintreten, für Toleranz, Kultur, Sprachkompetenz und Literatur. Ganz sicher wichtige Signale!

4. DCK – De Cliärrwer Kanton

Unsere Vereinigung hat manches und vieles in gute Wege geleitet. Oft waren wir die ersten («  »Notbremse » in den achtziger Jahren, Anregung kommunaler Zusammenarbeit, die zum SICLER führte, Nordstrooss, Polizeipräsenz, Lyzeum usw.) Unsere Zeitschrift ist landesweit beliebt und geschätzt, sie erscheint viermal im Jahr und wird jeweils mit großem Interesse erwartet. Redakteur Henri Keup gebührt einmal mehr Dank und Anerkennung für unermüdliches Wirken im Dienste der Zeitschrift, die in unserer Medienwelt immer noch ohne Vergleichbares erscheint. Unsere Zeitschrift erzählt aus der Vergangenheit, sie informiert über aktuelle Probleme und öffnet so ein Fenster in die Zukunft. Sie ist ein wichtiger « Sprecher » und bietet gleichzeitig wertvolle Dokumentation. Gleichzeitig verbindet sie unsere 1200 Abonnenten untereinander und mit ihrer Region.
Die Bibliothek in Ulflingen stellt eine weitere Aktivität unserer Vereinigung dar. Sie gedeiht prächtig, und Sekretärin Malou Wagner wird mit entsprechenden Einzelheiten dienen. Gleichwohl müssen wir uns wie viele Vereinigungen Gedanken machen zur zukünftigen Entwicklung unserer Vereinigung. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Frage zur Nachfolge im « Cliärrwer Kanton ». Wer wird unsere Arbeit weiterführen? Noch ist der Vorstand voll funktionsfähig, aber wir arbeiten ohne Netz, es gibt keine zweite und dritte Schlachtreihe wie bei den Römern. In der letzten Vorstandssitzung wurde die Frage nach einem Aufruf zur organisatorischen Verstärkung aufgeworfen, vor allem in den Gemeinden im Kanton, die nicht im Vorstand vertreten sind, wie die Gemeinden Weiswampach, Heinerscheid, Hosingen und Consthum. Zahlreiche Vereine im Land kennen Nachwuchsprobleme, weil in den jüngeren Jahrgängen weniger Bereitschaft besteht zu Nachrücken und Weiterführen einer für die Gemeinschaft nützlichen Tätigkeit. Man hört gegenwärtig oft die Aussage, das Zeitalter selbstverständlichen Benevolats gehe zu Ende.
Im kommenden Jahr begeht “De Cliärrwer Kanton“ das dreißigste Jubiläum seiner Schaffung. Für uns ganz sicher kein Grund zu Firlefanz und überschwänglichen Feiern, aber Gelegenheit und Auftrag, gründlich Bilanz zu ziehen und über die Zukunft nachzudenken.

5. René Maertz

Gründungspräsident René Maertz hat uns vor zehn Jahren verlassen. Wer in der Geschichte unserer Vereinigung blättert, trifft auf allen Seiten auf Freund René. Der Redner erinnert sich an sein erstes Zusammentreffen mit René Maertz und wie er sich von einer markanten Persönlichkeit beeindruckt fühlte. Wenig später wurde er von René Maertz zur aktiven Mitarbeit im « Cliärrwer Kanton » eingeladen. Freund René und seinem damaligen Team fällt das Verdienst zu, auf die katastrophale Lage im Kanton Clerf aufmerksam gemacht zu haben. Der Gründungspräsident führte eine gute Feder und ließ nicht locker in Einsatz und Anstrengung. Als vielseitiger und interessanter Zeitgenosse setzte er auch über unseren Verein hinaus so manches in Bewegung. Doch « De Cliärrwer Kanton » war ganz sicher sein liebstes Kind. Wir werden nicht vor dem Auftrag erlahmen, die Vereinigung im Sinne von René Maertz weiter zu führen.
Niemand hat nachgezählt, wie oft René Maertz Skizzen und Bilder von Clerf gezeichnet und gemalt hat: das Schloss mit seinen tausend Aspekten, die Abtei mit ihrem ausdrucksvollen Turm, immer neue Einzelheiten in der Natur, die das Magische spiegeln, das der Künstler in seinem Heimatort und in seiner Region fand. Es wäre bedauerlich, fast schon tragisch, wenn er ausgerechnet in seiner Heimatstadt für zahlreiche Einwohner kein Begriff mehr wäre. Er hätte das wirklich nicht verdient.
An diesen Beispielen haben wir gesehen, dass viele Dinge und Gegebenheiten zwei Facetten, zwei Gesichter haben. Das bedeutet Leben, Bewegung, Infragestellen, Zweifel, aber auch Konsensfähigkeit und Toleranz, und das alles passt gut zu einem kulturellen Verein.
Wir begnügen uns nicht mit dem kulturellen Umfeld, sondern wir machen uns immer noch viele Gedanken zur wirtschaftlichen und sozialen Lage an der Nordspitze, zahlreiche Beiträge in unserer Zeitschrift beweisen das. Auch wenn Bewegung festzustellen ist, insbesondere infolge de demographischen Entwicklung, aber auch durch Verwirklichungen wie Cube 521 und Naturpark heute, Lyzeum morgen – Mosaiksteine auf dem Weg in die Zukunft. Trotzdem bleibt die Frage, ob bei der Landesplanung oder IVL oder wie auch immer man Zukunftsvisionen bezeichnen mag, tatsächlich ein Gesamtkonzept für den Kanton Clerf besteht. Also ob es eine echte Planung gibt. Beobachtet man die Geschwindigkeit, mit welcher die Welt in Esch-Belval sich verändert, kann man schon die Frage stellen, ob wir jemals aus einzelnen Puzzlestücken im Kanton Clerf mit einer wirklichen « Belebung » rechnen können.
Léon Braconnier versichert, dass unsere Vereinigung auch in den aktuellen Zeiten von Reform und Umbruch weiterhin ihren

Beitrag zum Wohl der Nordregion

leisten wird. Eine Region, in der wie bereits betont vieles im Wandel ist. Möglicherweise läuft nicht alles in positivem Sinn, aber Veränderungen sind nicht zu übersehen: Unsere Ortschaften verändern ihr Gesicht. Viele ihrer Häuser, die besondere Namen hatten, sind mit ihrer Geschichte und ihren Geschichten verschwunden. Oft entstehen « Residenzen » an ihrer Stelle, die meistens anonym bleiben, obwohl sie ebenfalls Namen tragen. Siedlungen mit neuem Wohnraum entstehen, Gebäude mit vielen Briefkästen, mit Büroräumen und Unternehmen wachsen empor, Industriezonen werden erweitert, der Straßenverkehr wächst und wächst. Ein Naturpark ist entstanden, Leader-Projekte stellen sich vor, die Zusammenarbeit mit den Nachbarn im Ausland wurde intensiver, Stichwort « Eislék ouni Grenzen ». In den kommenden Jahren besteht eine wesentliche Herausforderung wohl darin, alle diese Neuerungen zu « kanalisieren », in einem vernünftigen Ganzen zu bündeln. Schaffen wir das Kunststück, über die Nordstrooss hinaus einen Verkehrskollaps zu verhindern? Noch können wir das Auto nach freiem Gutdünken benutzen, aber wenn es in rezenter Vergangenheit noch hieß, im Landesnorden könne man bequem und ohne Verkehrsampeln fahren, stimmt der letzte Teil der Aussage bereits nicht mehr ganz. Schaffen wir es, die Natur zu erhalten, das touristische Potential auszubauen? Scheitern wir nicht an dem Kunststück, diesen schwierigen Weg in eine bessere Zukunft zu gehen, ohne unsere Seele zu verkaufen? Das ist vielleicht die Zentralfrage. Vor einigen Jahren meinte der Redner noch, wir hätten die künftige Gestaltung des Kantons gemeinsam in Händen – trifft das heute noch zu?
Möglicherweise kann unsere Vereinigung in diesem gesamten « Szenario » mit Hand anlegen. Wenn wir bislang unseren selbstgewählten Auftrag – beunruhigende Konstante in unruhigen Zeiten – erfüllen konnten, dann auch, weil wir bei und zusätzlich zu unserem freiwilligen Einsatz Hilfe erhalten. In diesem Sinne schließt der Redner seine gewohnt objektiv und zugleich höflich-kritisch vorgetragenen Ausführungen mit herzlichem Dankeschön: Das Kulturministerium und die Gemeinden im Kanton gehören zu unseren zuverlässigen Gönnern. Animateur Luc Braconnier gilt ein herzliches Merci für seine Hilfe, insbesondere bei den « Journées de chant grégorien ». Die Gemeindeverwaltung von Ulflingen stellt uns die erforderlichen Räumlichkeiten für die Bibliothek zur Verfügung; den Clerfer Gemeindeverantwortlichen gilt Dank für das Vereinslokal. Wir fühlen uns wohl an beiden Orten. Dank selbstverständlich auch unseren Abonnenten im ganzen Land, ebenso Madame Laurence Claude und der gesamten Belegschaft der Imprimerie EXE, dem Leiter des Leader- Büros in Munshausen, Pater Abt von der Benediktinerabtei und zum guten Schluss auch allen Anwesenden an diesem Abend 11. April…

Der Tätigkeitsbericht 2007

von Sekretärin Malou Wagner fasste die DCK-Aktivität des Vorjahres übersichtlich zusammen:
Die erste Veranstaltung 2007 fand am 9. März statt mit einem Leseabend in der Bibliothek Tony Bourg. Zum Tag der Frauen waren die Damen Josiane Kartheiser und Colette Mart eingeladen; auch das Publikum war vorwiegend weiblich – ein Abend von Frauen für Frauen.
Die Generalversammlung fand am 27. April statt, mit nachfolgendem Bericht in unserer Zeitschrift.
Im Monat Oktober wurde der zehnte Geburtstag der « Journées de chant grégorien » in der Abtei gebührend gefeiert. Die Festveranstaltung wurde eingeleitet mit einer Konferenz von Père Abbé Michel Jorrot. An drei nachfolgenden Sonntagen waren Freunde von nah und fern zu drei Konzerten eingeladen:
Choralschola von Graz am 14. Oktober
Schola der Clerfer Abtei am 21. Oktober
Ensemble Capella aus Tokyo als Highlight am 28. Oktober.
Die Stageperiode zum gregorianischen Gesang fand statt vom 26. bis 28. Oktober und wurde geleitet von Père Prudhomme und Herrn Paul Breisch, Organist der Kathedrale.
Der außergewöhnliche Erfolg unserer Journées der Vorjahre wiederholte sich auch 2007.
Ebenfalls im Monat Oktober 2007 beteiligte unsere Vereinigung sich aktiv an der Lesewoche, die vom Internat Ste Elisabeth zusammen mit der Ulflinger Primärschule veranstaltet worden war. Wir betreuten Workshops und außerdem zwei Lesungen: am 19. Oktober mit Henri Losch und am 23. Oktober eine Kinderlesung mit Christiane Ehlinger.
Am ersten Dezember sponsorte unsere Vereinigung ein Musik- und Tanz-Spektakel mit dem Motto « Zeitlos, grenzenlos » im Cube 521 in Marnach.
Unser Vorstand hatte im Vorjahr fünf Arbeitssitzungen; der Redaktionsausschuss tagte viermal.
Die von der Ulflinger Gemeindeverwaltung freundlicherweise zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten reichen für die Bedürfnisse der Bibliothek nicht mehr aus. Deshalb sind wir erfreut und dankbar, dass der Gemeinderat beschlossen hat, einen Kredit von 520000 Euro für die Restaurierung des Hauses « Adames » zu verwenden, wo die Bibliothek ihren definitiven Sitz haben wird.
Zum Abschluss ihres Rechenschaftsberichtes erinnerte die Sekretärin noch an zwei kulturelle Ereignisse im laufenden Jahr:
Am 21. Februar sponsorte unsere Vereinigung das Konzert von « John Jorgensen Quintett » im Cube 21 und im Rahmen der traditionellen Aktion zur Leseförderung wurde am 1. Mai in der Bibliothek Tony Bourg ein Leseabend mit dem Autor Josy Braun veranstaltet.

Gesunde Finanzlage

Präzis und gut illustriert war der Finanzbericht von Adrien Wouters, aus dem hervorging, dass akute Geldnöte nicht zu den Wegbereitern unserer Vereinigung gehören, obwohl vorausschauende Vorsicht immer geboten bleibt. Bei Gesamteinnahmen 2007 in Höhe von 67962,76 Euro bilden die Mitgliederbeiträge mit 33264,15 Euro den Hauptposten, gefolgt von Subventionen staatlicher und kommunaler Herkunft in Höhe von 22200 Euro. Der Einzelverkauf unserer Zeitschrift ergab 1667,30 Euro, die Bibliothek Tony Bourg und die « Journées de chant grégorien » ermöglichten Beträge von jeweils 1685 Euro und 7437,81 Euro, während ein Sonderposten « Verschiedenes » 1708,50 Euro bescherte.
Bei Ausgaben von 39791,18 Euro für die Zeitschrift, 15116,73 Euro für die Bibliothek und 14582,70 Euro für die Journées und « Divers » von 1281,60 Euro ergab sich notwendigerweise ein vertretbarer Minusbetrag von 2815,40 Euro, der ohne weiteres aus den verfügbaren Eigenmitteln abgedeckt werden konnte, dies bei einem verbleibenden Polster von 62213,38 Euro. Nach sorgfältiger Prüfung der Konten empfahlen die Kassenrevisoren Marie-Paule Reuter und Francis Kler der Generalversammlung verdiente Entlastung, die diskussionslos gewährt wurde.

Bei der freien Aussprache wurden Themen wie Architektur und Dorfgestaltung, Zukunft der Region und Wasserpreissorgen berührt.
Freundliche Grußworte von Bürgermeister Yves Arend waren beim Ehrenwein zugleich Grund zu Genugtuung und Ermunterung für künftige Arbeit.